Zahl der Coronafälle steigt - Zehn Infektionen auf Kreuzfahrtschiff

05.02.2020 02:28

Wieder meldet China einen Rekordanstieg der Ansteckungen und Toten
durch das neue Coronavirus. Auf einem Kreuzfahrtschiff in Japan
werden zehn Infektionen entdeckt. Auch milde Fälle sind ansteckend.

Peking/Yokohama (dpa) - Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und
der Toten durch das neuartige Coronavirus ist in China wieder
schneller gestiegen als in den Tagen zuvor. Bis Mittwoch kletterte
die Zahl der Patienten mit der neuen Lungenkrankheit innerhalb eines
Tages um 3887 auf 24 324, wie die Gesundheitskommission in Peking
berichtete. Die Zahl der Toten legte um 65 auf 490 zu. Die neuen
Toten waren alle in der schwer betroffenen Provinz Hubei in
Zentralchina zu beklagen. Die Gesundheitskommission zählt noch mehr
als 23 000 Verdachtsfälle.

Außerhalb von Festland-China gibt es in mehr als zwei Dutzend Ländern
mehr als 230 weitere bestätigte Infektionen, davon zwölf in
Deutschland. In Hongkong und den Philippinen sind zwei Patienten
gestorben. In Japan wurden an Bord eines unter Quarantäne gestellten
Kreuzfahrtschiffes zehn Infektionen nachgewiesen, wie das japanische
Gesundheitsministerium bekanntgab. An Bord befinden sich nach Angaben
der Reederei «Princess Cruises» auch acht deutsche Passagiere.

Ob auch Deutsche positiv getestet wurden, konnte ein Sprecher des
Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in
Tokio nicht sagen. Auch der Deutschen Botschaft in Tokio lagen
zunächst keine Informationen vor. Die Infizierten wurden in der
Tokioter Nachbarprovinz Kanagawa, wo das Schiff vor Anker liegt, ins
Krankenhaus gebracht. In Japan sind damit 33 Fälle bestätigt.

Die 3700 Passagiere und Crew-Mitglieder sollten für weitere 14 Tage
an Bord bleiben, sagte Gesundheitsminister Katsunobu Kato. Anlass für
die Quarantäne war ein 80-Jähriger aus Hongkong, der am Samstag
positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Der Mann sei am 20.
Januar in Tokios Nachbarstadt Yokohama zugestiegen und fünf Tage
später in Hongkong von Bord der «Diamond Princess» gegangen, hieß e
s.

Aus Angst vor dem Virus hat Großbritannien alle Landsleute in China
zur Ausreise aufgerufen. «Wir raten britischen Staatsangehörigen, das
Land zu verlassen, falls sie können, um ihr Infektionsrisiko zu
minimieren», teilte Außenminister Dominic Raab in London mit. Sollten
sich Briten in der Krisenregion von Hubei aufhalten und zurückkehren
wollen, werde man rund um die Uhr daran arbeiten, das zu ermöglichen.

Deutschland hatte Bundesbürgern lediglich geraten, von Reisen nach
China abzusehen, aber ausdrücklich davor gewarnt, die Provinz Hubei
zu besuchen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der Deutschen
Presse-Agentur: «Es ist doch in der aktuellen Lage eine
Selbstverständlichkeit, dass jemand, der nicht in China lebt oder
sein muss, einen Aufenthalt dort vermeidet oder beendet.»

Das Coronavirus kann nach Erkenntnissen deutscher Forschungsinstitute
auch von Patienten mit nur sehr milden Krankheitssymptomen übertragen
werden. Die Charité in Berlin, die München Klinik Schwabing und das
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr teilten am Donnerstagabend
in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass einige der derzeit in der
Klinik Schwabing in München behandelten Patienten auch bei nur
schwachen Symptomen ansteckende Viren in ihrem Nasen-Rachen-Raum
zeigten.

Zudem sei festgestellt worden, dass sich das Virus unabhängig von der
Lunge auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehrt.
Diese Beobachtungen seien deutliche Hinweise für eine Übertragbarkeit
bereits bei milder oder beginnender Erkältungssymptomatik wie zum
Beispiel Halsschmerzen, einer Nasennebenhöhlen-Infektion oder nur
einem leichten Krankheitsgefühl ohne Fieber.

Nach Angaben der Ärzte geht es den zwölf Erkrankten in Deutschland
gut. Außer zwei Infizierten, die am Samstag mit anderen Deutschen aus
Wuhan ausgeflogen worden waren, gibt es zehn Patienten in Bayern, die
in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Zwei von ihnen
haben nur leichtes Fieber. Bei Webasto war eine infizierte Kollegin
aus China zu Gast gewesen. Auch der auf der Kanareninsel La Gomera
infizierte Deutschen ist nach Angaben der Behörden wohlauf.

Die radikalen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie haben in China zu
einer drastischen Verlangsamung des öffentlichen Lebens geführt.
Viele Fabriken und Büros sind vorerst weiter geschlossen. Manche
Firmen wie Volkswagen in Peking lassen ihre Angestellten von zuhause
aus arbeiten. Vielfach sind aber Lieferketten schon unterbrochen. Wie
die Lufthansa haben viele Airlines ihre China-Flüge gestrichen. Die
Auswirkungen auf das wirtschaftliche Leben sind enorm.

So stellt der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike seine Aktionäre

schon auf Geschäftseinbußen in China ein. Es sei mit «erheblichen
Auswirkungen» zu rechnen, teilte der Konzern nach US-Börsenschluss
mit. So habe Nike rund die Hälfte der eigenen Geschäfte in China
geschlossen. In den übrigen Läden in China gälten zum Teil kürzere

Öffnungszeiten. Außerdem kämen weniger Kunden. Anleger reagierten
leicht nervös - die Aktie fiel nachbörslich um mehr als drei Prozent.