Coronavirus: Zwei neue Infizierte in Bayern - darunter ein Kind

03.02.2020 21:38

In Deutschland steigt die Zahl der Coronavirus-Patienten weiter: Am
Abend meldet das bayerische Gesundheitsministerium zwei weitere
Fälle.

München (dpa/lby) - In Bayern haben sich inzwischen zehn Menschen mit
dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bei dem neuen Betroffenen im
Freistaat handelt es sich um einen weiteren Mitarbeiter eines
Automobilzulieferers in Stockdorf bei München, wie das bayerische
Gesundheitsministerium am Montagabend mitteilte. Kurz zuvor hatte das
Ministerium die Infizierung eines zweiten Kindes im Freistaat
bekanntgegeben. Sein Vater aus dem Landkreis Traunstein war
vergangene Woche positiv getestet worden, ebenso ein Geschwister.

Der Vater ist wie alle anderen erwachsenen Infizierten aus Bayern
Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto im Landkreis Starnberg. Der
Firmensitz bleibt wegen der neuartigen Lungenkrankheit weiter
geschlossen. Die zunächst bis zum Dienstag geplante Regelung werde
bis zum 11. Februar verlängert, teilte das Unternehmen mit. Ein
Mitarbeiter hatte sich dort bei einer chinesischen Kollegin
angesteckt, die inzwischen wieder in ihrer Heimat ist. Bundesweit
haben sich insgesamt zwölf Menschen mit dem Virus infiziert.

Alle im Freistaat Infizierten seien in einem stabilen
gesundheitlichen Zustand, hieß es vom Ministerium weiter. Sie müssen
aber alle weiter isoliert im Krankenhaus bleiben. «Es wird täglich
mit einem Testverfahren geprüft, ob die Erreger bei den Patienten
noch nachweisbar sind. Solange bei diesen Tests noch Coronaviren
nachgewiesen werden können, bleiben die Patienten in Abstimmung mit
den Gesundheitsbehörden in der Klinik», sagte ein
Ministeriumssprecher am Abend. «Das entspricht dem derzeitigen
Wissensstand über die Erkrankung. Klar ist: Das Ende der infektiösen
Periode ist momentan nicht sicher anzugeben.»

Bei Webasto hatte es in der vergangenen Woche umfangreiche Tests für
Mitarbeiter gegeben, bisher liegen laut Ministerium gut 140
Ergebnisse vor. Der Großteil der 1000 Mitarbeiter sei nun weiter
gebeten, im Homeoffice zu arbeiten, teilte das Unternehmen mit.
Insgesamt bleibt die Zentrale damit insgesamt zwei Wochen zu,
erläuterte Vorstandschef Holger Engelmann schriftlich. «Damit
orientieren wir uns an der von Experten für den Virus angenommenen
längsten Inkubationszeit von 14 Tagen.»

Nur rund 20 Mitarbeiter sollten am Dienstag trotz der allgemeinen
Schließung ihre Tätigkeit in Stockdorf auf freiwilliger Basis wieder
aufnehmen. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit dem
Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Betriebsrat getroffen worden. Bisher
sei es durch das verstärkte mobile Arbeiten der Mitarbeiter des
Verwaltungs- und Entwicklungszentrums in Stockdorf zu keinerlei
Einschränkungen im laufenden Betrieb gekommen.

Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sind bayerische
Arztpraxen und Krankenhäuser gut auf eine mögliche Zunahme der
Coronavirus-Infektionen vorbereitet. «Wir haben alle ambulanten Ärzte
informiert und wir haben auch in den Krankenhäusern Bayerns, vor
allem im südbayerischen Raum, nach Bettenkapazitäten gefragt, um hier
eine gewisse Vorbereitung zu treffen, falls es notwendig sein sollte,
mehrere Hundert Personen isolieren zu müssen», sagte Huml dem
Radiosender Bayern 2. Allerdings sei völlig offen, ob sich eine
solche Notwendigkeit ergeben und wie sich die Lage entwickeln werde.
«Das ist sehr, sehr schwer abzuschätzen. Wir tun alles, dass wir das
möglichst eindämmen.»

Huml sagte weiter, bisher sei es gelungen, die Herkunft der Fälle
nachzuverfolgen. «Aber gleichzeitig ist es natürlich so, dass wir
noch nicht die Sicherheit haben, dass man sagen kann «wir haben jetzt
die Kette durchbrochen».»

In Deutschland wurde der Virus außer bei den zehn Betroffenen in
Bayern auch bei zwei Deutschen nachgewiesen, die aus China
ausgeflogen worden waren. Ihnen ging es den Ärzten zufolge gut, sie
seien symptomfrei. Allerdings müssten sie auf der Isolierstation
bleiben, bis sie virenfrei seien. Sie waren mit rund 120 weiteren
Deutschen und deren Angehörigen mit einem Bundeswehrflugzeug aus
Wuhan nach Frankfurt am Main gebracht worden.

In China erhöhte sich unterdessen die Zahl der Toten auf mehr als
360, die Zahl der bestätigten Infektionen in China kletterte
sprunghaft um knapp 3000 auf mehr als 17 000 Fälle.