Höhepunkt Mitte Februar erwartet: Rekordanstieg bei Corona-Fällen

03.02.2020 21:30

Das neue Coronavirus verbreitet sich in China rasend schnell - und
der Höhepunkt der Epidemie ist noch nicht erreicht. Inzwischen gibt
es in Deutschland einen zwölften Fall.

Peking (dpa) - Die Coronavirus-Epidemie wird ihren Höhepunkt nach
Einschätzung chinesischer Experten in 10 bis 14 Tagen erreichen.
Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden, sagte de
r
Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus,
Zhong Nanshan, nach Angaben chinesischer Staatsmedien vom Montag. In
Wuhan, dem Ausgangsort der Epidemie, wurde nach weniger als zwei
Wochen Bauzeit ein erstes von zwei Notkrankenhäusern eröffnet. In
Deutschland wurden am Montagabend eine elfte und zwölfte Infektion
bekannt. Allen Patienten gehe es soweit gut, hieß es.

An der neuen Lungenkrankheit sind in Festland-China mittlerweile mehr
Menschen gestorben als an der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Die
Gesundheitskommission in Peking meldete am Montag den bisher
stärksten Anstieg der Infektionen und Todesfälle innerhalb eines
Tages. Die Zahl der Toten in China erhöhte sich auf 361, die Zahl der
bestätigten Infektionen in China kletterte sprunghaft um 2829 auf
17 205 Fälle.

Bei der Sars-Pandemie (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) 2002/2003
hatte es 349 Todesfälle in Festland-China gegeben. Hinzu kamen 299
Tote in Hongkong, weltweit waren es 774 Tote. Beim aktuellen
Coronavirus-Ausbruch gab es außerhalb von Festland-China bis Montag
erst einen bekannten Todesfall - auf den Philippinen.

In Wuhan wurde derweil ein Hospital mit rund tausend Betten eröffnet.
Etwa 1400 medizinische Kräfte des Militärs betreiben das
Behelfshospital, in dem Lungenkranke zentral in Quarantäne kommen und
behandelt werden. Schon am Mittwoch sollte die zweite rasch erbaute
Klinik öffnen.

In Bayern wurden am Montag zwei weitere Infektionen bestätigt. Damit
stieg die Zahl der Infizierten in dem Bundesland auf zehn und
bundesweit auf zwölf Menschen. Es handelt sich um einen Mann und um
ein zweites infiziertes Kind, wie das bayerische
Gesundheitsministerium am Montagabend mitteilte.

Den zwölf in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen
ging es am Montag soweit gut. Die Betroffenen aus Bayern - darunter
der Vater und seine beiden Kinder - seien in «gesundheitlich stabilem
Zustand», teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit. Einige
Infizierte hätten grippeähnliche Symptome gehabt, hieß es weiter.

Der Erreger war bei acht Mitarbeitern des Autozulieferers Webasto in
Stockdorf bei München nachgewiesen worden. Zudem wurden zwei Kinder
eines Erkrankten positiv auf die neue Lungenkrankheit getestet. Bei
Webasto war zuvor eine infizierte Kollegin aus China zu Gast gewesen,
die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte.

Außerdem war das Virus bei zwei Passagieren festgestellt worden, die
am Wochenende mit einem Bundeswehrflugzeug aus Wuhan zurückgeholt
wurden. «Sie sind beide symptomfrei, es sind gesunde Menschen», sagte
der Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt, René Gottschalk, am Montag.
Allerdings müssten sie auf der Isolierstation bleiben, bis sie
virenfrei seien.

Rund 120 Passagiere des Fluges sind seit ihrer Rückkehr in einer
Kaserne im pfälzischen Germersheim in Quarantäne. Sie sind nach
Angaben von Landrat Fritz Brechtel weiterhin ohne Anzeichen für eine
mögliche Erkrankung durch das Coronavirus. «Es sind keine Symptome
bislang aufgetreten», sagte Brechtel am Montagnachmittag.

Ein weiterer infizierter Deutscher war auf der Kanareninsel La Gomera
registriert worden. Er soll Kontakt zu einem in Deutschland
infizierten Patienten gehabt haben.

Auch andere Länder holen ihre Staatsbürger heim. In Frankreich traf
am Sonntag ein zweiter Flieger mit 250 Rückkehrern aus Wuhan ein. In
dem Land sind bisher sechs Virus-Fälle bestätigt. Außerhalb von China

sind rund 180 Infektionen in zwei Dutzend Ländern bestätigt.

Nach dem Einreisestopp der USA für Chinesen und andere Ausländer, die
in China waren, zeigte sich US-Präsident Donald Trump zuversichtlich.
«Wir haben es so ziemlich ausgeschaltet, dass es aus China kommt»,
sagte er dem Fernsehsender Fox News. US-Bürger, die in der stark
betroffenen Region Wuhan oder der umliegenden Provinz Hubei waren,
müssen für zwei Wochen in Quarantäne. In den USA waren bis Montag
acht Fälle bestätigt.

China übte Kritik an der Reaktion der USA: Äußerungen Trumps, die USA

hätten China «enorme Hilfe» angeboten, wies eine Außenamtssprecheri
n
in Peking zurück. «Die US-Regierung hat uns keine bedeutende Hilfe
zur Verfügung gestellt.»

Der Vatikan schickte «einige Hunderttausend» Atemschutzmasken an
China, wie Papstsprecher Matteo Bruni erklärte. Die Aktion gehe vom
Almosenverwalter des Vatikans, Kardinal Konrad Krawjeski, sowie der
vatikanischen Apotheke und der chinesischen Kirche in Italien aus.

China hat seinen Staatsbürgern von Reisen ins Ausland abgeraten und
bekämpft die Ausbreitung im Land mit radikalen Maßnahmen. In der
Krisenregion in Zentralchina sind 45 Millionen Menschen in mehreren
Städten abgeschottet, die Verkehrsverbindungen wurden gekappt. Auch
andere Städte in der Volksrepublik haben Überlandverbindungen mit
Bussen ausgesetzt sowie Flüge und Züge reduziert.

Die Metropole Wenzhou - mehr als 800 Kilometer östlich von Wuhan -
hat praktisch eine Ausgangssperre für die neun Millionen Einwohner
verhängt. Jede Familie darf lediglich ein Mitglied auswählen, das
alle zwei Tage zum Einkaufen rausgehen kann.

Die Furcht vor dem Coronavirus hat Chinas Aktienmärkten die größten
Verluste seit Jahren beschert. Die Shanghaier Börse meldete am Montag
einen Kursrutsch um 7,72 Prozent und verlor damit binnen eines
Handelstages 2,8 Billionen Yuan an Wert, etwa 360 Milliarden Euro.
Der zweite Aktienmarkt des Landes im südchinesischen Shenzhen brach
um 8,45 Prozent ein, was einen Verlust von zwei Billionen Yuan (260
Milliarden Euro) bedeutete. Es war der erste Handelstag nach den -
wegen der Lungenkrankheit - verlängerten Ferien zum chinesischen
Neujahrsfest, die am 23. Januar begonnen hatten.