Coronavirus-Patienten wohlauf - Sorge in chinesischer Community

03.02.2020 14:58

Der Zustand der beiden Coronavirus-Patienten in Frankfurt ist
weiterhin gut. Allerdings haben viele Chinesen hierzulande Angst vor
dem Virus. Ihr soziales Leben in der Mainmetropole steht nahezu
still.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Den beiden mit dem Coronavirus infizierten
Patienten an der Frankfurter Uniklinik geht es weiterhin gut. «Sie
sind beide symptomfrei, es sind gesunde Menschen», sagte der Leiter
Gesundheitsamt Frankfurt, René Gottschalk, am Montag. Allerdings
müssten sie auf der Isolierstation bleiben, bis sie virenfrei sind.
Da es sich um einen neuen Virus handelt, könne er nicht sagen, wie
lange das dauert. Aber: «Dass die beiden überhaupt keine Symptome
haben, weist auf ihre gutes Immunsystem hin. Somit gehe ich davon
aus, dass der Spuk für die beiden bald vorüber ist.»

Die zwei Patienten waren gemeinsam mit mehr als 120 weiteren
Passagieren am Wochenende mit einem Bundeswehrflugzeug aus der
besonders stark vom Virus betroffenen Stadt Wuhan zurückgeholt, die
als Ursprungsort der Epidemie mit Hunderten Toten und Tausenden
Erkrankten in China gilt.

Sie und fast alle anderen Fluggäste waren nach der Landung am Samstag
in Frankfurt auf den Erreger getestet worden. Als die Testergebnisse
vorlagen, waren die beiden Infizierten bereits in der
Quarantäne-Einrichtung im rheinland-pfälzischen Germersheim
angekommen. Von dort wurden sie dann in die Klinik gebracht. In der
Kaserne in Germersheim wurden die anderen Passagiere derweil am
Montag zum zweiten Mal auf das Virus getestet. Mit Ergebnissen wird
frühstens am Dienstag gerechnet.

Unterdessen zeigt das Coronavirus deutliche Auswirkungen auf das
soziale Leben der in Frankfurt lebenden Chinesen. «Die Leute sind in
großer Sorge», sagt die Geschäftsführerin des Frankfurter
Konfuzius-Instituts Christina Werum-Wang. «Sie gehen nicht vor die
Tür, meiden Menschenansammlungen und sorgen sich um ihre Angehörigen
in China.» Zudem würden Menschen, die aktuell oder kürzlich aus China

zurückgekommen sind, gemieden.

«Nach meiner persönlichen Einschätzung sind die sozialen Folgen viel

gravierender als die gesundheitlichen Auswirkungen», sagte sie. Die
Deutschen seien diesbezüglich entspannter. Am Samstag habe es
beispielsweise ein Neujahrskonzert in der Community gegeben: Während
zahlreiche Chinesen wegen des Virus zu Hause geblieben sind, habe es
von den Deutschen keine Absagen gegeben.

Mit Blick manche Berichte in sozialen Netzwerke sagte Werum-Wang:
«Ich würde mir wünschen, dass diese Panikmache aufhört. Das nutzt j
a
nichts». Zudem sei es unfair, wenn das Coronavirus genutzt werde, um
negative unsachliche Stimmung gegen China zu machen.

Im Zuge des aktuellen Corona-Ausbruchs starben in China bislang mehr
als 360 Menschen. Die Zahl der bestätigten Infektionen kletterte dort
auf über 17 000 Fälle. In Deutschland ist das Virus bei zehn Menschen
nachgewiesen - bei den beiden Patienten im der Frankfurter Uniklinik,
sowie bei acht Menschen in Bayern.

Das Konfuzius-Institut Frankfurt ist im September 2007 eröffnet
worden. Als Sprach- und Kulturinstitute verfolge es ähnliche Aufgaben
und Ziele wie zum Beispiel das Goethe-Institut, heißt es auf der
Homepage. In Frankfurt leben nach Schätzung des Instituts etwa 12 000
Chinesen.