Deutsche aus Wuhan auf dem Heimflug - USA erlassen Einreisestopp

01.02.2020 10:06

Am Ende herrscht Erleichterung: Eine Luftwaffenmaschine holt Deutsche
aus dem schwer vom neuen Coronavirus betroffenen Wuhan in China
zurück. Deutschland hat jetzt sieben Fälle - erstmals auch ein Kind.

Wuhan (dpa) - Ein Flugzeug der Bundeswehr hat mehr als 120 Deutsche
und andere Staatsbürger aus der schwer vom Coronavirus betroffenen
Metropole Wuhan in China ausgeflogen. Nach der Rückholaktion kommen
die Passagiere für 14 Tage in Quarantäne. Die Epidemie in China
erlebte am Samstag den bisher höchsten Anstieg der Infektionen und
Toten innerhalb eines Tages. Die Gesundheitskommission in Peking
meldete einen Zuwachs um fast 2000 auf 11 791 Erkrankte. Die Zahl der
Todesfälle kletterte um 46 auf 259.

In Deutschland steckte sich erstmals ein Kind an. Die Zahl der Fälle
stieg auf sieben. Der Vater des Kindes ist ein infizierter Mann aus
dem Landkreis Traunstein. Wie das bayerische Gesundheitsministerium
mitteilte, wurde zudem bei einem Mann aus dem Landkreis
Fürstenfeldbruck die Lungenkrankheit bestätigt. Er arbeitet wie die
ersten fünf Infizierten beim Autozulieferer Webasto. Außerhalb der
Volksrepublik wurden bisher in zwei Dutzend Ländern rund 150
Infektionen gezählt.

Für die Rückholung der Deutschen aus Wuhan startete der Airbus A 310
der Luftwaffe um 02.22 Uhr MEZ (09.22 Uhr Ortszeit) vom Flughafen des
schwer von der Lungenkrankheit heimgesuchten Wuhan in Zentralchina,
wie das Einsatzführungskommando berichtete. Die Maschine wird nach
einem Zwischenstopp am Samstagmittag in Frankfurt/Main erwartet.

Kurz vor dem Start machte sich Erleichterung breit: «Glücklich am
Gate zu sein», berichtete eine Frau, die namentlich nicht genannt
werden wollte, der Deutschen Presse-Agentur. Die Gruppe hatte sich
schon am Vorabend am Flughafen versammelt und musste dort die Nacht
verbringen. «War bis hier doch alles schon ganz schön anstrengend.»
Nach ihren Angaben wurden 126 Personen gezählt.

«Ok, jetzt geht es zurück nach Deutschland für unbestimmte Zeit»,
sagte die Studentin Ann-Sophie Muxfeldt am Flughafen dem
Norddeutschen Rundfunk. «Man weiß eben nicht, wird es möglich sein
zurückzukommen in nächster Zeit», sagte die Rostockerin, die seit
September in Wuhan studiert hatte. «Ich bin wirklich sehr traurig.
Ich konnte ja meinen ganzen Freunden nicht richtig «Tschüss» sagen.
»

Nach einem mehr als zehnstündigen Flug war die Maschine am frühen
Morgen in Wuhan gelandet. Nach früheren Angaben sollten rund 90
Bundesbürger und etwa 40 andere Staatsbürger ausgeflogen werden. Für

ihre 14-tägige Quarantäne ist eine zentrale Unterbringung in einer
Ausbildungskaserne auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in
Rheinland-Pfalz vorgesehen - 100 Kilometer vom Frankfurter Flughafen
entfernt. Auch die USA, Japan, Südkorea und andere Länder haben
Staatsbürger aus Wuhan geholt oder planen Rückholaktionen.

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine «gesundheitliche
Notlage von internationaler Tragweite» erklärt hatte, riefen die USA
eine eigene «gesundheitliche Notlage» aus. Ausländische Reisende aus

China werden wegen des Ansteckungsrisikos nicht mehr ins Land
gelassen - mit Ausnahme von Angehörigen von US-Staatsbürgern.

Der von US-Präsident Donald Trump erlassene Bann gilt ab Sonntag
(23.00 Uhr MEZ). US-Staatsbürger, die in den 14 Tagen zuvor in Wuhan
oder der umliegenden Provinz Hubei waren, müssen sich für bis zu zwei
Wochen in Quarantäne begeben. Amerikaner, die in anderen Teilen
Chinas waren, sollen sich selbst für zwei Wochen isolieren. Bislang
gibt es sechs Fälle des Coronavirus in den USA.

«Es ist mit Sicherheit keine Geste des guten Willens», kritisierte
Chinas Außenamtssprecherin. Während die Weltgesundheitsorganisation
von Reisebeschränkungen abrate, gingen die USA in die
entgegengesetzte Richtung und setzten ein «schlechtes Beispiel».
Viele Länder hätten China ihre Hilfe angeboten, sagte die Sprecherin.
Sie verwies auf die Redensart «In der Not erkennt man seine Freunde».
Was die USA täten, basiere nicht auf Fakten und sei nicht hilfreich.

Erstmals meldete auch Spanien eine Infektion: Betroffen sei ein
Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera, der mit einem der in
Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen sein soll,
teilte die Regierung mit. Insgesamt waren fünf Deutsche in La Gomera
getestet worden, die in Kontakt mit einem Mann gekommen sein sollen,
bei dem in Deutschland das Virus nachgewiesen wurde.

Auslöser der Ansteckungen in Deutschland waren ein oder zwei
chinesische Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto. Das Unternehmen
nannte neben der bereits bekannten Frau auch einen Mann, der
ebenfalls in Deutschland gewesen sei. Alle infizierten deutschen und
chinesischen Mitarbeiter seien in längeren Meetings am Firmensitz der
Zentrale in Stockdorf gewesen, berichtete das Unternehmen. Die
infizierten Chinesen sind nach der Rückkehr in ihre Heimat erkrankt.

Das erste Kind, das sich in Deutschland angesteckt hat, liegt wie der
Vater in einem Krankenhaus in Trostberg. Die Ärzte gehen davon aus,
dass die ganze Familie infiziert ist - sie wurde auf eigenen Wunsch
zusammen untergebracht. Die anderen Mitglieder müssten aber noch
nachgetestet werden. Der Mann habe drei Kinder im Alter zwischen
einem halben Jahr und fünf Jahren.

Wegen der Lungenkrankheit ist China praktisch zum Stillstand
gekommen. In der hart betroffenen Provinz Hubei wurden 45 Millionen
Menschen abgeschottet. Alle Verkehrsverbindungen sind dort gekappt.
Landesweit werden Überlandbusse gestoppt, Züge und Flüge reduziert.
Die Ferien zum chinesischen Neujahrsfest wurden verlängert: Schulen,
Universitäten und Kindergärten bleiben geschlossen, Fabriken stehen
still und Büros sind verriegelt. Nach Ikea oder H&M schließt auch
Apple bis mindestens 9. Februar seine Läden.