Deutsche aus Wuhan auf dem Heimflug - Rekordanstieg der Virusfälle

01.02.2020 04:56

Am Ende herrscht Erleichterung: Eine Luftwaffenmaschine kann die
Deutschen aus dem schwer vom neuen Coronavirus betroffenen Wuhan in
China holen. Deutschland hat jetzt sieben Fälle - erstmals ein Kind.

Wuhan (dpa) - Ein Flugzeug der Bundeswehr mit mehr als 120 Deutschen
und anderen Staatsbürgern aus dem chinesischen Wuhan ist auf dem Weg
nach Frankfurt. Nach der Rückholaktion kommen die Passagiere für 14
Tage in Quarantäne. Die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus in
China erlebte am Samstag den bisher höchsten Anstieg der Infektionen
und Todesfälle innerhalb eines Tages. Die Gesundheitskommission in
Peking meldete am Samstag eine Zuwachs um fast 2000 auf 11 791
Erkrankte. Die Zahl der Todesfälle kletterte um 46 auf 259.

In Deutschland, wo sich erstmals ein Kind angesteckt hat, stieg die
Zahl auf sieben. Der Vater ist ein infizierter Mann aus dem Landkreis
Traunstein. Wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte,
wurde zudem bei einem Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck die
Lungenkrankheit bestätigt. Er arbeitet wie die ersten fünf
Infizierten beim Autozulieferer Webasto. Außerhalb der Volksrepublik
sind in zwei Dutzend Ländern rund 150 Infektionen gezählt.

Für die Rückholung der Deutschen aus Wuhan startete der Airbus A 310
der Luftwaffe um 02.22 Uhr MEZ (09.22 Uhr Ortszeit) vom Flughafen des
schwer von der Lungenkrankheit heimgesuchten Wuhan in Zentralchina,
wie das Einsatzführungskommando berichtete. Die Maschine wird nach
einem Zwischenstopp in Moskau am Samstagmittag in Frankfurt erwartet.

Kurz vor dem Start machte sich Erleichterung breit: «Glücklich am
Gate zu sein», berichtete eine Frau, die namentlich nicht genannt
werden wollte, der Deutschen Presse-Agentur. Die Gruppe hatte sich
schon am Vorabend am Flughafen versammelt und musste dort die Nacht
verbringen. «War bis hier doch alles schon ganz schön anstrengend.»
Nach ihren Angaben wurden 126 Personen gezählt.

«Ok, jetzt geht es zurück nach Deutschland für unbestimmte Zeit»,
sagte die Studentin Anne-Sophie Muxfeldt am Flughafen dem
Norddeutschen Rundfunk. «Man weiß eben nicht, wird es möglich sein
zurückzukommen in nächster Zeit», sagte die Rostockerin, die seit
September in Wuhan studiert hatte. «Ich bin wirklich sehr traurig.
Ich konnte ja meinen ganzen Freunden nicht richtig «Tschüss» sagen.
»

Nach einem mehr als zehnstündigen Flug war die Maschine am frühen
Morgen in Wuhan gelandet. Nach früheren Angaben sollten rund 90
Bundesbürger und etwa 40 andere Staatsbürger ausgeflogen werden. Für

ihre 14-tägige Quarantäne ist eine zentrale Unterbringung in einer
Ausbildungskaserne auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in
Rheinland-Pfalz vorgesehen - 100 Kilometer vom Frankfurter Flughafen
entfernt. Auch die USA, Japan und andere Länder haben bereits
Staatsbürger aus Wuhan geholt oder planen Rückholaktionen.

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine «gesundheitliche
Notlage von internationaler Tragweite» zur Koordinierung der
empfohlenen Krisenmaßnahmen erklärt hatte, riefen die USA eine eigene
«gesundheitliche Notlage» aus. Ausländische Reisende aus China werden

damit nicht mehr ins Land gelassen - mit Ausnahme von Angehörigen von
US-Staatsbürgern. Das Einreiseverbot begründete Gesundheitsminister
Alex Azar mit dem potenziellen Ansteckungsrisiko.

Der von US-Präsident Trump erlassene Bann gilt ab Sonntag (23.00 Uhr
MEZ). Zudem müssen sich US-Staatsbürger, die in den 14 Tagen vor der
Einreise in Wuhan oder der umliegenden Provinz Hubei waren, für bis
zu zwei Wochen in Quarantäne begeben. Amerikaner, die in anderen
Teilen Chinas waren, sollen sich selbst für zwei Wochen isolieren.
Bislang gibt es erst sechs Fälle des Coronavirus in den USA.

Erstmals meldete auch Spanien eine Infektion: Betroffen sei ein
Deutscher auf der Kanareninsel La Gomera, der mit einem der in
Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen sein soll,
teilte die Regierung mit. Insgesamt waren fünf Deutsche in La Gomera
getestet worden, die in Kontakt mit einem Mann gekommen sein sollen,
bei dem in Deutschland das Virus nachgewiesen worden war.

Auslöser der Ansteckungen in Deutschland waren ein oder zwei
chinesische Mitarbeiter des Autozulieferer Webasto. Das Unternehmen
nannte neben der bereits bekannten Frau auch einen Mann, der
ebenfalls in Deutschland gewesen sei. Alle infizierten deutschen und
chinesischen Mitarbeiter seien in längeren Meetings am Firmensitz der
Zentrale in Stockdorf gewesen, berichtete das Unternehmen. Die
infizierten Chinesen sind nach der Rückkehr nach China erkrankt.

Das erste Kind, das sich in Deutschland angesteckt hat, liegt wie der
Vater in einem Krankenhaus in Trostberg. Die Ärzte gehen davon aus,
dass die ganze Familie infiziert ist - sie wurde auf eigenen Wunsch
zusammen untergebracht. Die anderen Mitglieder müssten aber noch
nachgetestet werden. Der Mann habe drei Kinder im Alter zwischen
einem halben Jahr und fünf Jahren.

Südkorea holte unterdessen eine zweite Gruppe von Landsleuten aus
Wuhan heim. Ein Charter-Flugzeug landete am Samstag mit etwa 330
Südkoreanern aus Wuhan an Bord in Seoul, wie südkoreanische Sender
berichteten. Am Freitag waren bereits 368 Südkoreaner aus Wuhan in
ihre Heimat zurückgebracht worden. Die Rückholaktion Südkoreas gilt
vorerst als abgeschlossen.