Expertengremium: Welt unzureichend auf globale Epidemien vorbereitet

18.09.2019 01:01

New York/Berlin (dpa) - Ein Gremium von WHO und Weltbank hält die
weltweiten Vorsichtsmaßnahmen gegen eine globale Epidemie (auch:
Pandemie) für «völlig unzureichend». «Es ist schon längst an de
r Zeit
zu handeln», schreiben die Mitglieder des Global Preparedness
Monitoring Board (GPMB) in einem Bericht, der am Mittwoch
veröffentlicht wurde.

Zahlreiche Dinge müssten demnach verbessert werden - den Fokus legt
der Ausschuss dabei auf sieben dringende Maßnahmen. Unter anderem
fordert das GPMB Regierungen aller Nationen auf, die Vorbereitungen
auf eine mögliche Pandemie als integralen Bestandteil nationaler und
globaler Sicherheit zu sehen.

Dass die Vorsichtsmaßnahmen aktuell völlig unzureichend sind,
bestätigt auch Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité.
Eine Studie aus dem Jahr 2006 kam zu dem Ergebnis, dass bei einer
globalen Influenza-Pandemie 51 bis 81 Millionen Menschen ums Leben
kommen könnten. Diese Zahlen hält Drosten für gerechtfertigt.

Der letzten Pandemie - der Schweinegrippe - fielen nach WHO-Angaben
mehr als 18 400 Menschen in rund 200 Ländern zum Opfer. In
Deutschland gab es 2009/2010 über 226 000 gemeldete Fälle, 258
Patienten starben. Doch die Auswirkungen des H1N1-Virus fielen
trotzdem vergleichsweise glimpflich aus. «Das heißt nicht, dass eine
zukünftige Pandemie auch so mild verlaufen muss», sagt Drosten.

Ein Hauptwerkzeug gegen solche Erkrankungen sind für den Experten
Impfstoffe. Auch neue Medikamente gegen Viren seien wichtig. «Wir
müssen uns vor allem auf Viren vorbereiten, weil die einfach besser
übertragbar sind.»

Doch nicht nur die harte Wissenschaft ist gefragt. Institutsleiter
Drosten spricht davon, dass es bei Krankheitsfällen beispielsweise
eine verbesserte Kommunikation zwischen Ländern und Behörden geben
muss. Verstärkte Koordinationsmechanismen wünscht sich auch das GPMB
- unter anderem bei den Vereinigten Nationen.





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