Scholz: Aufklärung nach Fehlbildungen steht Eltern und Kindern zu

16.09.2019 13:34

Berlin/Paris (dpa) - Nach einer ungewöhnlichen Häufung von
Handfehlbildungen bei Neugeborenen in einer Gelsenkirchener Klinik
fordert Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) eine umfassende Aufklärung.
«Natürlich müssen wir rausfinden und muss auch rausgefunden werden
von den zuständigen Behörden, ob da irgendwie etwas hintersteckt, was
man bekämpfen kann, wenn man es erkannt hat», sagte er im Gespräch
mit der «Bild»-Zeitung. Das stehe auch den Eltern und den Kindern zu,
um die es gehe. Scholz verwies auch auf Grenzen: «Es gibt sehr viele
Daten, die wir über Krankheitsfälle haben, die aus Datenschutzgründen

gar nicht ausgewertet werden», sagte Scholz der «Bild». Im Sankt
Marien-Hospital Buer waren in 12 Wochen drei Kinder mit
fehlgebildeten Händen geboren worden.

In Frankreich gibt es bereits seit längerem eine Debatte, nachdem
sich die Fälle von Fehlbildungen bei Babys in einigen Regionen des
Landes gehäuft hatten. Die Kinder leiden an einer Deformation von
Gliedmaßen. In Frankreich ist das Phänomen unter dem Schlagwort
«Babys ohne Arme» bekannt. Besonders im Département Ain im Osten des

Landes, im Département Loire-Atlantique im Westen und in Morbihan in
der Bretagne kommen seit mehreren Jahren besonders viele Babys ohne
Arme zur Welt. Über die Ursache wird spekuliert. So sollen viele der
betroffenen Familien in der Nähe von Feldern leben, weshalb der
Verdacht im Raum steht, Pestizide könnten für die Fehlbildungen
verantwortlich sein. Sie könnten das Trinkwasser verunreinigt haben.

Eine Untersuchungskommission untersuchte seit Herbst 2018 die Fälle.
Insgesamt seien 143 Berichte von Menschen mit Fehlbildungen und 43
Beiträge zu Hypothesen über mögliche Ursachen analysiert worden,
heißt es im ersten Bericht der Gesundheitsbehörde Anses, der im
Sommer veröffentlicht wurde. Eine Ursache für die Fehlbildungen
konnten die Experten bisher allerdings nicht finden. Es gab aber auch
Kritik an dem Bericht. So wird zum Beispiel bemängelt, dass nicht
alle Fälle von Fehlbildungen berücksichtigt worden seien.