Schließen oder nicht? Laumann legt Krankenhausgutachten vor

12.09.2019 04:17

Die Krankenhauslandschaft in NRW soll reformiert werden. Dazu legt
Gesundheitsminister Laumann ein Gutachten vor. Wird sich jede Klinik
halten können?

Düsseldorf (dpa/lnw) - Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann
(CDU) stellt am Donnerstag (15 Uhr) in Düsseldorf ein Gutachten zur
Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen vor. Mit Spannung wird
erwartet, wie die Experten die Zukunft der Kliniken in den Städten
und auf dem Land sehen.

Eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hatte im Sommer
die Schließung von mehr als der Hälfte der Krankenhäuser in ganz
Deutschland empfohlen. Wenn die Zahl der Kliniken bundesweit von
derzeit knapp 1400 auf weniger als 600 sinke, könnten die
verbleibenden Häuser deutlich mehr Personal und eine bessere
Ausstattung erhalten, hieß es in der Untersuchung.

Auch Laumann hatte von teilweisen Überversorgungen im
Krankenhausbereich in Ballungszentren gesprochen. Die in der
Untersuchung genannten Zahlen hatte er aber als zu hoch bezeichnet.
Jeder Bürger wolle zu Recht eine gute Versorgung in seiner Region,
hatte Laumann dem «Spiegel» gesagt. «Das heißt für mich: Ein
Rettungswagen sollte innerhalb von 30 Minuten eine Intensivstation
erreichen.» Aber für spezielle Krankheiten könne es «nicht vor jede
r
Haustür eine Fachklinik geben». In NRW gibt es nach Angaben der
Krankenhausgesellschaft NRW aktuell rund 340 Krankenhäuser mit
insgesamt mehr als 118 000 Betten.

Schon Anfang des Jahres hatte Laumann angekündigt, er wolle eine
Arbeitsteilung unter den NRW-Krankenhäusern durchsetzen. Er erwarte
regionale Versorgungskonzepte, in denen geklärt werde, wer sich neben
der Grundversorgung worauf spezialisiere.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich für einen Mix
aus wohnortnaher Versorgung und Spezialisierung ausgesprochen. Nicht
jedes Krankenhaus müsse alles machen. Kompliziertere Fälle gehörten
in ein Krankenhaus, das in der Behandlung Routine habe.

Die Vorstellung, dass die Krankenhausversorgung vor allem im
ländlichen Raum ausgedünnt wird, löst vielerorts Besorgnis aus. In
den Städten wäre die Nahversorgung zwar auch bei einer Schließung von

Kliniken gesichert, hatte Jürgen Wasem, Experte für Medizinmanagement
an der Universität Duisburg-Essen gesagt. Aber im ländlichen Raum
stelle sich das Problem der Zugänglichkeit «deutlich krasser».

Laumann will die Ergebnisse des Gutachtens am Donnerstagabend in
Essen den Krankenhäusern vorstellen. Mit der Umsetzung einer
Strukturreform ist nach Angaben der Krankenhausgesellschaft NRW nicht
vor 2021 zu rechnen.