HOLD Ermittlungen gegen Facharzt - Krebsoperationen nach Fehldiagnose?

09.09.2019 13:58

Es ist ein schlimmer Verdacht: Wurde bei Patienten fälschlicherweise
Krebs diagnostiziert - und wurde deswegen in saarländischen Kliniken
unnötig operiert? Die Justiz prüft nun das Vorgehen eines Mediziners.

Saarbrücken (dpa) - Aufgrund wohl fehlerhafter Diagnosen eines Arztes
sollen Patienten in verschiedenen Kliniken des Saarlandes ohne Not an
vermeintlichen Krebserkrankungen operiert worden sein. Das teilte die
Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Montag mit. Die Justiz ermittele in
diesem Zusammenhang gegen einen 60-jährigen Mediziner wegen des
Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung, hieß es.

Es seien sowohl Privatwohnungen als auch die Praxis des Beschuldigten
am vergangenen Freitag durchsucht worden. In großem Umfang seien auch
Patientenakten sichergestellt worden, hieß es. Der Pathologe soll
demnach Gewebeproben fehlerhaft analysiert haben. In der Folge sei
dann vermutlich unnötig operiert worden. Über die Vorwürfe hatte
zuvor auch die «Saarbrücker Zeitung» berichtet.

Der Tatverdacht gegen den Arzt ergibt sich der Anklagebehörde zufolge
aus der Strafanzeige eines Rechtsanwalts sowie den Feststellungen
einer Fachärztin einer Klinik in Saarbrücken.

Dem Klinikum zufolge erstattete die Fachärztin Ende August
Strafanzeige wegen des Verdachts von möglichen Fehldiagnosen eines
niedergelassenen Pathologen. Der Verdacht erstreckt sich demnach auf
den Zeitraum 2016 bis Mitte 2019. «Soweit Patientinnen und Patienten
des Klinikums Saarbrücken betroffen waren, wurden diese im Rahmen der
Behandlung direkt über die korrekten Diagnosen informiert», teilte
eine Sprecherin in der Landeshauptstadt mit.

Das Klinikum habe das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen
und Familie informiert, hieß es. «Wir können dies bestätigen», te
ilte
eine Ministeriumssprecherin in Saarbrücken mit.

Der Zeitung zufolge haben die Diagnosen des Facharztes aus dem
Saarpfalz-Kreis vermutlich in mehr als 20 Fällen zu Operationen
geführt. Dem Mediziner sei ein vorläufiges Berufsverbot erteilt
worden, hieß es. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat sich der
Beschuldigte nicht zu den Vorwürfen geäußert.