Klinikdirektor fordert weitere Aufklärungskampagnen über Hautkrebs

09.09.2019 05:00

Bei einem Kongress in Ludwigshafen treffen sich diese Woche
zahlreiche Krebs-Experten. Ein Fachmann kündigte topaktuelle
Ergebnisse dermatologischer Studien an: «Das lässt keinen kalt.»

Ludwigshafen (dpa/lrs) - Angesichts zunehmender Neuerkrankungen für
Hautkrebs hat der Direktor der Hautklinik Ludwigshafen, Professor
Edgar Dippel, weitere Aufklärungskampagnen gefordert. «Eine aktuelle
Studie aus Deutschland zeigt, dass gerade bei jüngeren Menschen eine
höhere Wahrscheinlichkeit für unrealistischen Optimismus besteht»,
sagte Dippel der Deutschen Presse-Agentur. Jüngere Menschen würden
für sich selbst das Risiko, Hautkrebs zu bekommen, fälschlicherweise
oft als nur gering einschätzen. «Vor diesem Hintergrund wären weitere

Aufklärungskampagnen sicher sinnvoll», betonte er vor dem 29.
Deutschen Hautkrebskongress in Ludwigshafen (11. bis 14. September).

Dippel warnte vor dem Irrtum, dass Sonnencreme umfassend vor Krebs
schütze. «Die meisten herkömmlichen Produkte bewahren uns zwar
überwiegend vor der sogenannten UVB-Strahlung, die den akuten
Sonnenbrand auslöst. Doch die langwelligen UVA-Strahlen können trotz
Creme in die Haut eindringen - und erhöhen so das Hautkrebsrisiko.»

Besseren Schutz böten Sonnencremes, die Titandioxid und Zinkoxid
enthalten. «Der beste Schutz ist aber immer noch, die Sonne zu meiden
und so viel Kleidung wie möglich zu tragen», betonte der 56-Jährige.


Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen steige mit erhöhter
UV-Belastung das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. «Deshalb
ist ein wirksamer UV-Schutz wichtig zur Vorbeugung von Hautkrebs»,
unterstrich Dippel. Sonnenbrände in der Kindheit würden das Risiko,
später an Hautkrebs zu erkranken, um das Zwei- bis Dreifache erhöhen.

Auch die individuellen Gene, die etwa den Hauttyp beeinflussen, seien
ein Faktor. «Menschen mit hellem Hauttyp, blonden oder roten Haaren,
einer Neigung zu Sommersprossen und Erkrankungsfällen in der
Verwandtschaft tragen der Krebshilfe zufolge ein bis zum hundertfach
erhöhtes Risiko für schwarzen Hautkrebs», sagte der Direktor.

Allgemein würden die Neuerkrankungen weiter zunehmen. «Der helle
Hautkrebs wird durch starke Sonneneinstrahlung über viele Jahre
hinweg begünstigt. Größte Risikofaktoren sind das Freizeitverhalten -

vor allem intensives Sonnenbaden und regelmäßige Besuche im Solarium,
aber auch langjährige berufsbedingte Aufenthalte im Freien, etwa bei
Landwirten oder Winzern», meinte der der gebürtige Marburger.

Dabei sei die gesamte, im Leben aufgenommene UV-Strahlung maßgeblich.
«Anders als beim hellen Hautkrebs spielt beim schwarzen Hautkrebs
nicht eine andauernde UV-Belastung eine wichtige Rolle für den
Ausbruch der Krankheit, sondern kurze extreme Sonneneinstrahlung.»

Bei dem Kongress in Ludwigshafen sollen Strategien in Diagnostik und
Therapie beim Hautkrebs vorgestellt werden. «Das heißt, es werden
topaktuell auch die neuesten Ergebnisse dermatologische Studien
diskutiert», kündigte Dippel an. Im Mittelpunkt stünden dabei unter
anderem die Langzeitergebnisse bei Therapien. «Im Bereich der
Dermato-Onkologie haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten
entscheidende Entwicklungen stattgefunden, die immer mehr Einzug in
die Praxis halten», sagte er. «Diese Fortschritte sind höchst
spannend - und können keinen Nachwuchswissenschaftler kalt lassen.»