Fiktiver UN-Einsatz: Deutsche und chinesische Soldaten üben in Bayern Von Carsten Hoffmann, dpa

04.07.2019 16:02

Die Chinesische Volksbefreiungsarmee ist in Deutschland eingeflogen:
Ungewöhnlich, aber bei den Sanitätern geht das. In einer großen Übu
ng
wird das Szenario eines gemeinsamen UN-Einsatzes durchgespielt.

Feldkirchen/Berlin (dpa) - Sanitätssoldaten der Chinesischen
Volksbefreiungsarmee haben in Bayern eine Übung mit der Bundeswehr
für einen fiktiven UN-Einsatz begonnen. Bis zum 17. Juli werde im
niederbayerischen Feldkirchen trainiert, sagte ein Bundeswehrsprecher
am Donnerstag. An der Übung «Combined Aid 2019» nehmen 92 Chinesen
teil, 120 deutsche Soldaten sowie 120 Männer und Frauen als
Unterstützungspersonal.

In dem Szenario müssen sich die Sanitäter einem Ausbruch der Cholera
in mehreren Flüchtlingslagern stellen, der durch eine große Zahl
Verletzter an anderer Stelle verkompliziert wird. Die Soldaten
kommunizieren dabei in englischer Sprache oder mit Übersetzer.

Die Übungsserie ist in der militärischen Zusammenarbeit Deutschlands
mit China bislang einzigartig. Im Jahr 2016 waren deutsche Soldaten
zu einer Sanitätsübung in China. Die chinesischen Soldaten waren am
Mittwoch in Deutschland eingetroffen. Gerät und Ausrüstung, darunter
auch gepanzerter Sanitätsfahrzeuge und ein mobiles Krankenhaus der
Chinesen, waren auf dem Seeweg transportiert worden.

Die Übung ermögliche den Aufbau einer internationalen Zusammenarbeit
für den Fall eines grenzüberschreitenden Krankheitsausbruchs,
erklärte die Bundeswehr. «Auch für die zivile Gesundheitsprävention

ist «Combined Aid» überaus relevant, denn es ist eine internationale

Aufgabe, die Bevölkerung vor Epidemien und Pandemien zu schützen»,
teilte die Bundeswehr mit.

Im Jahr 2016 waren 38 Sanitäter der Bundeswehr zu einer «Combined
Aid»-Übung in China. Dabei ging es um die Versorgung von Opfern nach
einer Erdbebenkatastrophe in einem fiktiven Staat in der Karibik.
China verfügt aus den Erdbebenkatastrophen 2008, 2010 und 2012, bei
denen jeweils zwischen 40 000 bis 50 000 Verletzte versorgt werden
mussten, über leidvolle Erfahrungen.

«Die mobile Ausrüstung der Chinesischen Volksbefreiungsarmee lässt
sich beeindruckend schnell aufbauen. In wenigen Minuten stehen die
modernen chinesischen Zelte und genauso schnell finden die
Sanitätsgeräte ihren Platz», hieß es in einem Bundeswehrbericht.

Der Sanitätsbereich gilt als Einstieg in eine begrenzte militärische
Zusammenarbeit. Auf politischer Ebene wird der wirtschaftliche und
teils auch militärische Machtanspruch Chinas von europäischen
Regierungen eher mit Sorge gesehen. Die Volksrepublik China stellt
Soldaten wie für den UN-Einsatz Minusma zur Stabilisierung im
westafrikanischen Mali. An dem Einsatz ist auch die Bundeswehr
beteiligt.