Geiselnehmer beim Shoppen ertappt - entführte Frau ist wohlauf

12.06.2019 16:01

Er plante die Tat genau und schlug dann zu: Eine Woche lang irrte ein
Mann mit seiner entführten Ex-Freundin durch das Land, bis die
Polizei zugriff. Die Frau wollte die Beziehung beenden. War
Eifersucht oder Rache das Motiv des Mannes?

Aspach (dpa/lsw) - Die Beziehung lag in Trümmern, da fasste der Mann
einen Plan: Er entführte seine Ex-Freundin und behielt sie eine Woche
lang in seiner Gewalt. Am Dienstagabend endlich konnte die Polizei
die 47 Jahre alte Pflegerin aus Aspach (Rems-Murr-Kreis) aus den
Händen des vier Jahre älteren Mannes und eines Komplizen befreien.
Nach Überzeugung der Polizei hat das Scheitern seiner Beziehung den
Polen dazu getrieben, seine Ex-Freundin in einem Wohnmobil ins
deutsch-französische Grenzgebiet zu verschleppen.

«Der Mann hat wahrscheinlich die Trennung nicht akzeptiert», sagte
ein Polizeisprecher am Mittwoch in Aalen. Nach Angaben der
französischen Lokalzeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» (DNA) hat
te
die Frau am Tag ihres Verschwindens ein Treffen mit dem Mann geplant.

Die 47-Jährige war am Dienstag rund eine Woche nach ihrem
Verschwinden in einem Wald bei Haguenau im Département Bas-Rhin rund
30 Kilometer nördlich von Straßburg befreit worden. Ein Zeuge hatte
einen der beiden Männer beim Einkaufen entdeckt und die Polizei
alarmiert. «Die Kollegen legten sich daraufhin tagelang auf die
Lauer, und siehe da: Der Mann wurde beim Wasserkaufen ertappt», so
der Aalener Sprecher. Die Polizei verfolgte ihn und schlug am Zelt
des Duos in einem Waldstück zu. Deutsche Polizisten halfen bei den
Ermittlungen, sie waren nach Angaben der Polizei in Aalen aber nicht
direkt an der Festnahme der beiden Männer beteiligt.

Zuvor waren die mutmaßlichen Entführer bereits mehrfach von Zeugen
gesehen worden, darunter am Mittwoch vergangener Woche von einem
Jäger, dessen Wildkamera die beiden Entführer festgehalten hatte.
Einen Tag später hatte sie zudem ein Zeuge in Begleitung der 47 Jahre
alten Frau gesehen, sagte der Aalener Polizeisprecher.

Die Tat soll der 51-Jährige nach Polizeiangaben detailliert geplant
haben. «Es deutet nichts auf eine Kurzschlusstat hin», sagte der
Aalener Polizeisprecher. «Der Mann hat sich im Vorfeld entsprechend
schlau gemacht und ist dann erst nach Deutschland eingereist.» Unklar
bleibt bislang, was der Mann mit seiner Tat erreichen wollte.
Lösegeld habe er nicht verlangt.

Neben dem Ex-Freund wird auch ein 23-jähriger Komplize verdächtigt,
nach Angaben der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» und des SWR ein
Mitarbeiter des verdächtigten Automechanikers. Die beiden stammen
ebenso wie die Frau aus Polen. Deshalb hatten polnische, französische
und deutsche Polizisten bei den Ermittlungen zusammengearbeitet.

Die Männer würden zunächst in Frankreich verhört, teilte die Aalene
r
Polizei mit. Zwar gilt ihre Auslieferung als wahrscheinlich, doch
müssen zunächst die französischen Behörden darüber entscheiden. E
inen
gesonderten Antrag müsse die deutsche Justiz wegen des bereits
vorliegenden europäischen Haftbefehls nicht stellen, sagte Heiner
Römhild von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft.

Die Verschleppte hatte nach Polizeiangaben bis zu ihrer Entführung in
Aspach eine Frau gepflegt. Sie war nach einer Pause nicht
zurückgekehrt. Zuletzt sollen die Verdächtigen mit ihrem Opfer zu Fuß

unterwegs gewesen sein. Das Wohnmobil, in dem die Pflegekraft
verschleppt worden war, war bereits vor einigen Tagen leer in einem
Wald bei Straßburg gefunden worden.

Vor dem Zugriff und der Festnahme am Dienstag in Frankreich hatte die
Polizei die Öffentlichkeit davor gewarnt, im deutsch-französischen
Grenzgebiet Anhalter mitzunehmen. Sie hatte befürchtet, die beiden
Männer könnten eine Mitfahrgelegenheit nach Polen suchen.