Wellness, Schokolade und Urlaub - Was Blutspender im Ausland bekommen Von den dpa-Korrespondenten

13.06.2019 06:01

Schokolade, Massage-Gutscheine, Steuervergünstigungen: Manche Länder
bieten Blutspendern diverse Anreize und Belohnungen. Andernorts
appellieren Spendendienste eher an das Gewissen der Menschen.

Berlin (dpa) - Für ihr jahrelanges Engagement werden am
Weltblutspendertag (14. Juni) in Berlin 65 Frauen und Männer aus ganz
Deutschland geehrt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als größte
Blutspenden-Organisation lädt sie stellvertretend für die vielen
Freiwilligen ein. Anders als bei privaten Anbietern oder in
staatlich-kommunalen Diensten bietet das Rote Kreuz keine finanzielle
Aufwandsentschädigung, obwohl es die Blutspenden aufbereitet und
verkauft. ««Du bekommst Geld, dafür bekommen wir dein Blut.» Das is
t
ein Weltbild, dem wollen wir nicht folgen», betont
DRK-Generalsekretär Christian Reuter. Ein Blick in andere Länder
zeigt, wie vielfältig die Anreize sein können.

TSCHECHIEN

Blut kann man in Tschechien in den Transfusionsabteilungen vieler
staatlicher und einiger privater Krankenhäuser spenden. Im Gegenzug
bieten Krankenversicherungen Gutscheine für Erholungsaktivitäten wie
Schwimmen, Massagen oder Saunabesuche an. Kommerzielle
Plasmaspendedienste zahlen pro Besuch umgerechnet knapp 25 Euro und
werben intensiv um Teilnehmer. Sie schicken das Plasma ins Ausland,
wo es zur Herstellung von Medikamenten verwendet werden kann. Nach
offiziellen Angaben gibt es rund 240 000 regelmäßige Spender, doch
kommt es vor allem im Sommer zu Engpässen.

POLEN

In Polen gibt es für die Blutspende zwar kein Geld, aber Angestellte
bekommen einen freien Tag, wenn sie ihrem Arbeitgeber einen
entsprechenden Nachweis vorlegen. Außerdem erhalten die
ehrenamtlichen Spender acht Tafeln Schokolade, einen süßen Riegel und
einen Saft. Dies entspricht etwa 4500 Kilokalorien und soll die
Spender wieder zu Kräften bringen. Spender können außerdem
Steuervergünstigungen geltend machen. Wie groß diese ausfallen, hängt

von der gespendeten Blutmenge ab. Das Blut wird in regionalen Zentren
gespendet, die dem Gesundheitsministerium unterstehen.

BELGIEN

Auch in Belgien gibt es kein Geld für Blutspender. Die Spende solle
freiwillig erfolgen, da nur das garantiere, dass das Blut sicher sei,
heißt es vom belgischen Roten Kreuz. «Menschen, die freiwillig Blut
spenden, tun dies, weil sie Menschen helfen wollen», sagt ein
Sprecher der Organisation. Einmal im Jahr gebe es eine große Feier,
zu der die Spender und ihre Familien eingeladen würden.

FRANKREICH

In Frankreich bekommen Spender ebenfalls kein Geld für ihr Blut. Das
Monopol auf Blutspenden hat die staatliche Organisation EFS. Laut
Weltgesundheitsorganisation gibt es in Frankreich rund 150 Zentren,
wo das ganze Jahr Blut gespendet werden kann - zusätzlich betreibt
EFS etwa 40 000 mobile Einrichtungen, etwa in Zelten. Die
Organisation nutzt soziale Netzwerke für Spendenaufrufe und
informiert über einen eigenen Youtube-Kanal.

DÄNEMARK

In Dänemark gibt es schätzungsweise 218 000 Blutspender. Geld gibt es

fürs Spenden nicht, es wird an das Gewissen appelliert. In einer
Broschüre heißt es: «Die Spende basiert auf dem Wunsch, anderen zu

helfen, die es benötigen, und nicht auf dem Wunsch nach einem
wirtschaftlichen Vorteil.» Die Organisation bloddonor ist dafür
zuständig, Blutspender anzuwerben und bisherige Spender an ihre
Spendenbereitschaft zu erinnern.

ITALIEN

Wer in Italien gratis sein Blut spendet und einen Arbeitsvertrag hat,
darf danach einen Tag ruhen. Dies gilt allerdings nicht für
Selbstständige oder Menschen, die nicht ins öffentliche
Sozialversicherungssystem einzahlen.

GRIECHENLAND

Braucht in Griechenland ein Patient Blut, rufen Ärzte Verwandte und
Bekannte des Betreffenden zu Spenden auf. Zwar wird der Patient aus
Reserven versorgt, doch die wiederum müssen dringend ersetzt werden,
denn Griechenland hat eine hohe Zahl an Thalassämie-Patienten.
Menschen mit dieser Erbkrankheit brauchen regelmäßig
Bluttransfusionen. Diesen Bedarf kann das Land kaum decken und bietet
deshalb einen besonderen Anreiz: Beamte und Soldaten erhalten zwei
bis vier freie Tage, wenn sie Blut spenden - und das bis zu vier Mal
im Jahr.

RUSSLAND

In Russland bekommen Blutspender laut Gesetz eine kostenlose
Mahlzeit. Mehrfachspender sollen zudem am Arbeits- oder Studienplatz
bei der Vergabe von vergünstigten Erholungsreisen in Sanatorien oder
Kurorte bevorzugt werden. Vielspender mit 40 oder mehr Einsätzen
erhalten auf Antrag den Titel «Ehrenspender». Dafür gibt es jedes
Jahr einen bezahlten Urlaub, eine kostenlose Vorzugsbehandlung im
staatlichen Gesundheitssystem sowie ein jährliches Entgelt von mehr
als 10 000 Rubel (knapp 140 Euro).

USA

Jedes Jahr spenden in den USA nach Angaben des Roten Kreuzes rund 6,8
Millionen Menschen Blut - weniger als zehn Prozent derer, die
zugelassen wären. Blutspenden werden normalerweise nicht bezahlt, es
gibt aber Kekse als Dank. Für Blutplasma-Spenden, eine deutlich
aufwendigere Prozedur, gibt es Geld. Der Betrag hängt vom Betreiber
des Spendenzentrums ab, gewöhnlich sind es rund 50 Dollar (etwa 45
Euro). Zuvor müssen strenge Medizintests absolviert werden.
Blutplasma darf höchstens einmal pro Monat gespendet werden.

CHINA

China baut derzeit sein System zur Blutspende um. Bislang war es
üblich, dass Patienten ihre Familienangehörige oder Freunde bitten
mussten, Blut zur Verfügung zu stellen. Dies führte zu einem
Schwarzmarkt für Blut. Nun will die Regierung eine Blutbank
einführen, deren Bedarf durch freiwillige Spenden gedeckt wird. Dabei
sollen Anreize helfen: Viele Mitarbeiter von Staatsfirmen bekommen
für Blutspenden etwa freie Tage oder andere Belohnungen.