Arznei in «natürlichem» Potenzmittel - Staatsanwaltschaft ermittelt

12.04.2019 16:01

Angepriesen als harmloses Nahrungsergänzungsmittel sollte «Rammbock»

müde Männer munter machen. Doch manche Käufer gingen unwissentlich
ein hohes Risiko ein. Ein beigemischter verschreibungspflichtiger
Wirkstoff kann tödliche Folgen haben.

Ravensburg (dpa) - Nach dem Fund eines Arzneistoffes in einem als
natürlich angepriesenen Potenzmittel ermittelt die Staatsanwaltschaft
Ravensburg gegen einen Friedrichshafener Unternehmer. Am Vortag habe
es wegen des möglichen Verstosses gegen das Arzneimittelrecht bereits
Durchsuchungen in dessen Vertriebsfirma gegeben, teilte die Behörde
am Freitag mit. Dabei seien 11 000 Verpackungseinheiten des Produkts
«Rammbock» sichergestellt worden. Das Regierungspräsidium Tübingen

hatte zuvor Strafanzeige erstattet.

In den Pillen war die Konzentration des verschreibungspflichtigen
Wirkstoffes Sildenafil laut Regierungspräsidium sogar höher als in
erhältlichen Medikamenten. Damit sei «Rammbock» ein Arzneimittel, was

für den Kunden weder durch die Vertriebskanäle noch an den
Verpackungen kenntlich gemacht worden sei. Präparate mit Sildenafil
werden unter anderem zur Behandlung von Erektionsstörungen des Mannes
verschrieben, das wohl bekannteste dieser Gruppe ist Viagra.

Auf den illegalen Zusatz in dem Nahrungsergänzungsmittel war die
Lebensmittelüberwachung bei einer Stichprobe aufmerksam geworden. Das
Regierungspräsidium Tübingen hatte am Donnerstag vor dem im Internet
gehandelten Nahrungsergänzungsmittel gewarnt. Die Einnahme des
Produkts könne zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, im
schlimmsten Fall zum Tode führen. Wie der Sprecher des
Regierungspräsidiums weiter mitteilte, kann der Wirkstoff besonders
Männern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährlich werden.

Nahrungsergänzungsmittel müssten weit niedrigeren Anforderungen
genügen als verschreibungspflichtige Medikamente, die vor der
Zulassung durch das Bundesamt für Arzneimittel vielfältige
Untersuchungen durchlaufen müssen.

Nach Angaben des Sprechers kommt es auch international häufiger vor,
dass Nahrungsergänzungsmittel auftauchen, die gegen das
Arzneimittelrecht verstoßen. «Rammbock» soll auch in Wettbüros
vertrieben worden sein. Dies sei ein bislang unbekannter
Vertriebsweg.