Der weltreisende Literat - Hans Christoph Buch wird 75 Von Klaus Blume, dpa

12.04.2019 08:00

Über Haiti wird er wohl nie aufhören zu schreiben. Aber auch im Rest
der Welt kennt sich Hans Christoph Buch ganz gut aus. Jetzt wird der
Berliner Autor 75.

Berlin (dpa) - Es gibt kaum eine Weltgegend, in der Hans Christoph
Buch nicht schon gewesen wäre. Wenn er nicht gerade zu Hause in
Berlin-Charlottenburg weilt, dann schippert er auf einem Dampfer über
den Niger, auf einem Eisbrecher durch die Antarktis oder streift auf
den Spuren Emil Noldes durch die Urwälder Neuguineas, wie man in
Buchs Büchern nachlesen kann. Am häufigsten aber zieht es den
weitgereisten Autor nach Haiti, die krisengeschüttelte
Karibikrepublik, zu der er familiäre Bande hat. An diesem Samstag
wird der Globetrotter unter Deutschlands Literaten 75.

Geboren wurde Buch in Wetzlar, wo sein Vater, ein Jurist, zeitweilig
Bürgermeister war. Jener wechselte dann in den diplomatischen Dienst
und wurde Generalkonsul in Marseille, und so verbrachte Buch einige
Jugendjahre in Südfrankreich. Auf die literarische Bühne trat er
erstmals 1963, als der damals 19-Jährige beim Treffen der Gruppe 47
in Saulgau eine Kurzgeschichte vortragen durfte. «Da wurde ich
ziemlich verrissen von (Walter) Jens und (Marcel) Reich-Ranicki»,
erinnert sich Buch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Mit dem «Literaturpapst» hat er sich später aber angefreundet, lange

Jahre Gedichte für dessen «Frankfurter Anthologie» interpretiert und

Reich-Ranicki kurz vor dessen Tod 2013 noch besucht - was er in
seiner jetzt erschienenen Essay- und Porträtsammlung «Tunnel u?ber
der Spree» schildert. Sein erstes Buch, die Kurzgeschichtensammlung
«Unerhörte Begebenheiten», hatte er schon bald nach dem Auftritt bei

der Gruppe 47 fertiggestellt. Der damalige Berliner
Germanistikstudent schrieb es - «mit Schiffssirenen im Hintergrund» -
in den Semesterferien in Kopenhagen, wo sein Vater gerade deutscher
Botschafter war.

Sein Romandebüt gab Buch 1984 mit «Die Hochzeit in Port-au-Prince»,
gefolgt von «Haiti Chérie» (1990). Nach Haiti, damals eine finstere
Diktatur unter François «Papa Doc» Duvalier, war er erstmals 1968
gereist. Sein Großvater war Ende des 19. Jahrhunderts nach Haiti
ausgewandert, hatte dort eine Apotheke eröffnet und eine Einheimische
geheiratet. Sein Vater wurde in Haiti geboren und im
nationalsozialistischen Deutschland als «Mischling» diskriminiert.
Haiti ließ Buch nicht mehr los, und er schrieb so oft über das kleine
Land, dass ihn Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld (1924-2002) irgendwann
einmal fragte: «Wie viel müssen wir Ihnen bezahlen, Herr Buch, damit
Sie endlich aufhören, über Tahiti (sic) zu schreiben?»

Auf Haitis Nachbarinsel Kuba führte Buch seine Leser 2007 mit «Tod in
Havanna», einer Persiflage auf Thomas Manns Novelle «Tod in Venedig».

Mit «Das rollende R der Revolution» veröffentlichte er 2008 eine
Sammlung von Reportagen und Essays zu Lateinamerika, Afrika und
Asien. In «Reise um die Welt in acht Nächten» (2009), der «Parodie

eines Abenteuerromans», nimmt er die Leser mit auf eine literarische
Achterbahnfahrt durch Indien, Pakistan, China, die Antarktis,
Senegal, Mali, Kongo und Haiti. In «Elf Arten das Eis zu brechen»
(2016) geht es auf dem Eisbrecher «Almirante Irizar» Richtung Südpol.


Seinen runden Geburtstag feiert Buch im idyllischen Wendland, schon
zu Mauerzeiten ein beliebtes Refugium für Westberliner. Und an welche
seiner vielen Reisen denkt er besonders ungern zurück? Buch nennt die
von marodierenden Milizen heimgesuchte Zentralafrikanische Republik,
wo er 2017 hingelangte. Und gibt es eigentlich noch weiße Flecken auf
seiner Landkarte? - Ja, im Sommer will Buch zum ersten Mal nach
Paraguay, wo ein Kongress zu Ehren des weitgereisten Naturforschers
Alexander von Humboldt (1769-1859) stattfinden soll.