Wirkungslose Antibiotika: Arte-Doku zur Gefahr durch resistente Keime Von Klaus Braeuer, dpa

15.03.2019 16:24

Manche Risiken sind schwer auf den ersten Blick wahrzunehmen.
Gefährliche Keime gehören dazu. Eine Dokumentation über Antibiotika
berichtet darüber, warum sie ein ernsteres Problem sind, als viele
denken.

Berlin (dpa) - Antibiotika sind oft die letzte Möglichkeit, um
Krankheiten zu bekämpfen. Doch weltweit treten immer mehr Bakterien
auf, die dagegen resistent sind. Welche Gefahren dadurch entstehen,
zeigt die Dokumentation «Resistance Fighters», die am kommenden
Dienstag (19. März) um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen ist.

Im Gegensatz zu vielen Krankheiten wie Grippe oder Ebola bricht eine
Antibiotika-Resistenz in einem Land nicht plötzlich aus, sondern
verbreitet sich vergleichsweise langsam. Ihre Gefahr wird jedoch noch
immer von vielen Menschen unterschätzt. Wenn weltweit nicht mehr
unternommen werde als bislang, könnten gefährliche, resistent
gewordene Erreger laut der Dokumentation künftig jedes Jahr mehrere
Millionen Menschen töten. Regierungen, Ärzte und Forscher versuchen,
genau das zu verhindern.

Der Film des Regisseurs Michael Wech bietet sehr ausführliche
Informationen über die Entwicklung der resistenten Keime, ihre
Beschaffenheit und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung. Dabei sind
teilweise sehr unappetitliche Bilder etwa von Krankheiten wie Tripper
zu sehen. Es äußern sich Ärzte, Molekularbiologen, Historiker,
Wissenschaftler, Patienten und Politiker, in den USA, Vietnam,
Bangladesch, Großbritannien und der Schweiz.

Sogenannte Reserveantibiotika sollten laut der
Weltgesundheitsorganisation WHO ausschließlich der Humanmedizin
vorbehalten sein - kommen aber etwa in Deutschland auch als
Medikamente in der Tiermast zum Einsatz. Als Wachstumsbeschleuniger
in der Nutztierhaltung hatte die Europäische Union dagegen den
Einsatz von Antibiotika bereits 2006 verboten.

Der Autor stellt auch dazu viele Fragen: Warum wurden oder werden
mancherorts noch völlig gesunden Kühen oder Schweinen massenhaft
Antibiotika ins Futter gemischt? Ein Grund dafür seien
Ertragssteigerungen durch schnelleres Wachstum der Tiere. Ein anderer
Grund sei, dass die Medikamente verabreicht werden, um möglichen
Krankheiten vorzubeugen, berichtet US-Wissenschaftsjournalistin Maryn
McKenna in der Dokumentation. Auch diese vorbeugende Gabe von
Antibiotika in der Tiermast ist in Deutschland allerdings verboten.

Nach Angaben der Doku sind nur noch 6 der 50 weltweit größten
Pharma-Unternehmen an der Antibiotika-Forschung beteiligt, weil hohe
Entwicklungskosten und zunehmende Resistenzen auch bei neuen
Antibiotika ihr Geschäft zusehends unrentabel machen.