Warum der Hering nach Norden wandert - das Wasser und der Klimawandel Von Michael Kirner, dpa

15.03.2019 04:00

Der Klimawandel ist längst Realität. Und seine Folgen werden
dramatischer. Betroffen ist auch das Lebenselixier für Pflanzen,
Tiere und den Menschen: unser Wasser.

Berlin (dpa) - Schmelzende Gletscher, wärmere Ozeane, steigende
Meeresspiegel, Hochwasser - und auch Dürre. Die Folgen des
Klimawandels für den globalen Wasserhaushalt werden verheerender,
warnt der Weltklimarat IPCC - und das zunehmend auch vor unserer
Haustür. Fragen und Antworten zum Weltwassertag am 22. März:

Warum spielen die Meere beim Klimawandel eine so große Rolle?

Treibhausgase wie CO2 absorbieren einige der vom Boden abgegebenen
Wärmestrahlen, die sonst ins Weltall entweichen würden und erwärmen
so die Luft. Einen großen Teil dieser Wärme speichern die Ozeane, so
dass auch ihre Temperatur steigt. Zudem lässt die Erwärmung auch das
Arktiseis zurückgehen. Folge: Weniger Sonnenstrahlen werden vom Eis
reflektiert und mehr gelangen ins Wasser, das sich auch dadurch
erwärmt.

Warum leiden Gewässer und ihre Bewohner besonders?

Temperaturen haben einen großen Einfluss auf das Leben unter Wasser,
erläutert die Europäische Umweltagentur (EUA). Kommerziell genutzte
Fischbestände etwa von Kabeljau, Makrele und Hering wandern zunehmend
in Richtung Norden, wo die See kühler ist - mit wirtschaftlichen
Folgen für die Fischerei. Hinzu kommt: Ozeane, die immer mehr
menschengemachtes Kohlendioxid aufnehmen, versauern zunehmend. Das
könnte einigen Studien zufolge einmal große Auswirkungen auf
kalkbildende Korallen und andere Meeresorganismen haben.

Sind Entwicklungsländer besonders betroffen?

In ohnehin schon wasserarmen Regionen werden die Menschen aus Sicht
des Weltklimarates (IPCC) künftig wahrscheinlich noch mehr Dürren
erleben. Vielerorts drohten dagegen vermehrt Überschwemmungen. In
ärmeren Ländern gebe es bereits jetzt bezogen auf das
Bruttoinlandsprodukt viel höhere wirtschaftliche Schäden durch
Naturkatastrophen als in reichen. Von 1970 bis 2008 gab es in
Entwicklungsländern laut IPCC zudem mehr als 95 Prozent aller von
solchen Katastrophen verursachten Todesfälle. Sie haben weniger
Möglichkeiten, sich gegen die Folgen der Katastrophen zu wappnen.
Industrieländer versuchen, dem Klimawandel durch mehr
Katastrophenschutz oder Vorsorgemaßnahmen für Trockenperioden zu
begegnen. Dennoch gibt es auch hier entsprechende Schäden.

Wie groß sind die Gefahren hierzulande?

Vor allem im Sommer müssen auch wir uns zunehmend auf Hitzestress und
Wasserknappheit einstellen, warnt das Umweltbundesamt. Der Sommer
2018 bot ein Beispiel für die möglichen Folgen. Von Dürreperioden
besonders betroffen könnte der Osten des Landes sein - mit schlimmen
Konsequenzen für die Land- und Forstwirtschaft. Hochwasser wiederum
werde in den Wintermonaten wahrscheinlicher, mit Auswirkungen
besonders in städtischen Ballungszentren. Zudem könne die Qualität
von Gewässern Schaden nehmen, wenn bei Überflutungen Düngemittel oder

industrielle Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Hinzu kommen
wirtschaftliche Folgen: So verursachte allein das Elbe-Hochwasser von
August 2002 Schäden von mehr als neun Milliarden Euro. Die Dürre im
Sommer 2018 brachte insgesamt mehrere Hundert Millionen Euro Schäden
unter anderem bei Landwirten und wegen niedriger Flusspegel auch in
der Wirtschaft.

Ist die Entwicklung noch umzukehren?

Der Weltklimarat warnt: Selbst wenn die für die globale Erwärmung
entscheidende Emission von Treibhausgasen jetzt gestoppt würde, wären
die Folgen noch über Jahrhunderte zu spüren. Wetterextreme werden
demnach zunehmen und Meeresspiegel weiter steigen.