Ehrlich-Preis für Protein-Forscher - Lob des «produktiven Zweifels»

14.03.2019 18:43

Proteine, die falsch gefaltet sind, sich verklumpen oder an der
falschen Stelle landen, sind ein Merkmal von Krankheiten wie
Alzheimer, Parkinson oder ALS. Die Paul Ehrlich-Preisträger 2019
erforschen diese Mechanismen und hoffen auf neue Therapieansätze.

Frankfurt/Main (dpa) - Zwei Protein-Forscher sind mit einem der
wichtigsten Preise für medizinische Grundlagenforschung ausgezeichnet
worden: Der Deutsche Franz-Ulrich Hartl (62) und der US-Amerikaner
Arthur L. Horwich (68) nahmen am Donnerstag in der Frankfurter
Paulskirche den mit 120 000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig
Darmstaedter-Preis entgegen.

Hartl ist Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie in München,
Horwich forscht an der Yale School of Medicine in den USA. Geehrt
wurden sie für ihre grundlegenden Arbeiten zur Proteinfaltung. Falsch
gefaltete oder verklumpte Proteine sind ein wichtiges Merkmal vieler
neurodegenerativer Erkrankungen, etwa Alzheimer oder Parkinson.

Lange Zeit galt als sicher, dass die korrekte Proteinfaltung allein
über die Abfolge der Bausteine zustande kommt. Hartl und Horwich
haben schon vor Jahren gezeigt, dass die Proteine dabei Hilfe
brauchen. Diese erhalten sie in Form kleiner Faltungsmaschinen,
sogenannter Chaperone. Von ihnen erhoffen sich Forscher in Zukunft
neue Ansätze für die Behandlung dieser Krankheiten.

Hartl und Horwich hätten «das notwendige Wissen, die geistige
Vorstellungskraft und die intellektuelle Freiheit besessen, das
Problem der Proteinfaltung jenseits des damals gültigen Dogmas
radikal neu zu denken», sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates,
Prof. Thomas Boehm. Die Preisträger hätten bewiesen, «zu welchen
Entdeckungen undogmatisches Denken und produktiver Zweifel führen
kann». Während die meisten Forscher dazu neigen würden, unerwartete
Informationen zu ignorieren, böten sie den Neugierigen große Chancen,
ergänzte Prof. Peter Walter aus San Francisco in der Laudatio.

Der mit 60 000 Euro dotierte Nachwuchspreis geht ebenfalls nach
München. Ausgezeichnet wurde Dorothee Dormann (42) vom
Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Sie erforscht die Muskelkrankheit ALS und eine Form der Demenz.
Typisch für die sehr unterschiedlichen Krankheiten sind Protein-
Ablagerungen, die die Zelle schädigen.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird seit 1952
verliehen. Bisher wurden 127 Wissenschaftler ausgezeichnet, 23 wurden
auch mit dem Nobelpreis geehrt. Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine
Einrichtung einer Vereinigung von Förderern der Goethe-Universität
Frankfurt. Die Ehrung wird traditionell am Geburtstag des
Namensgebers Paul Ehrlich (1854-1915) überreicht.