Klage im Schadenersatzprozess gegen Pharmakonzern Merck abgewiesen

05.03.2019 17:10

Lyon (dpa) - Ein Gericht in Frankreich hat im Schadenersatzprozess
gegen den deutschen Pharmahersteller Merck die Sammelklage von mehr
als 4000 Klägern abgewiesen. Das Gericht in Lyon kam am Dienstag zu
dem Ergebnis, dass Merck ausreichend über die neue Zusammensetzung
eines Schilddrüsenmedikaments informiert hatte. Daher werden die
Forderungen der Kläger zurückgewiesen, wie es in dem Urteil heißt.

Die mehr als 4000 Kläger hatten in dem Zivilprozess 10 000 Euro
Schadenersatz pro Person eingefordert. Hintergrund ist, dass Merck in
Frankreich die Zusammensetzung des Medikaments Levothyrox geändert
hatte. Patienten hatten sich über Nebenwirkungen der neuen Rezeptur
beschwert. Rund drei Millionen Menschen sind in Frankreich auf das
Medikament angewiesen.

Die Kläger werfen dem Pharmahersteller aus Darmstadt vor, nicht
ausreichend über die veränderte Rezeptur und mögliche Auswirkungen
aufgeklärt zu haben. Merck hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen
und erklärt, ausreichend über die Änderungen informiert zu haben.
Ärzte und Apotheker sowie Merck selbst hätten aufgeklärt. Der
Pharmahersteller begrüßte das Urteil. «Merck hält diese Entscheidun
g
für korrekt», teilte das Unternehmen mit.

Die Zivilklage der Levothyrox-Patienten in Lyon zielt nicht auf
Körperverletzung, sondern auf «fehlende Information» und «moralisch
en
Schaden» ab, weil die Patienten nicht gewusst hätten, weshalb sie
plötzlich gesundheitliche Probleme hatten. «Das ist eine große
Enttäuschung für mich und die Patienten», sagte der Anwalt der
Kläger, Christophe Lèguevaques, nach Angaben von Franceinfo nach
Bekanntgabe des Urteils. Man prüfe, gegen das Urteil in Berufung zu
gehen.

In Frankreich wurde die neue Zusammensetzung des Medikaments zuerst
eingeführt. In Deutschland ist die alte Rezeptur bisher noch unter
dem Namen Euthyrox erhältlich. Im Laufe des Jahres 2019 soll die
veränderte Formel aber auch in Deutschland verkauft werden. Die
Gesundheitsbehörden gaben dafür im vergangenen Jahr grünes Licht.