Verdi: Pflegekräfte aus dem Ausland besser eingliedern

01.03.2019 14:57

Berlin (dpa) - Die Gewerkschaft Verdi dringt auf eine bessere
Eingliederung von Fachkräften aus dem Ausland in der Pflege. Damit
zugewanderte und einheimische Kräfte Hand in Hand arbeiten könnten,
brauche es eine gute Vorbereitung und Begleitung aller Beteiligten,
sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler am Freitag. Grundlage für
eine gedeihliche Zusammenarbeit und ein gutes Arbeitsklima seien auch
genug Personal und faire Bezahlung. Beschäftigte, die aus ihren
Heimatländern andere fachliche Erfahrungen mitbrächten, müssten
systematisch und mit ausreichend Zeit eingearbeitet werden.

Angesichts der Personalnot in der Pflege setzt die Bundesregierung
neben Verbesserungen im Inland ergänzend darauf, dass ausländische
Kräfte leichter nach Deutschland kommen können. Laut einer von der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie ist die
Zahl der jährlich aus dem Ausland kommenden Fachkräfte gestiegen: Von
1500 im Jahr 2012 auf 8800 im Jahr 2017. Sie stammen zum Großteil aus
ost- und südeuropäischen Nicht-EU-Staaten oder von den Philippinen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich dafür aus, bei
Pflegekräften aus dem Ausland möglichst früh mit Deutschunterricht zu

beginnen. «Idealerweise, bevor sie nach Deutschland kommen», sagte er
in einem am Freitag vom Ministerium verbreiteten Video.

Bei der Zusammenarbeit in Altenpflegeheimen und Krankenhäusern gibt
es laut der Studie Konfliktpotenzial. Hier ausgebildete Kräfte
kritisierten, dass zugewanderte Kollegen schon wegen mangelnder
Sprachkenntnisse im getakteten Arbeitsalltag nicht voll einsetzbar
seien. Eine akademische Ausbildung im Ausland werde zudem oft als
«praxisfern» kritisiert. Es fehlten Kompetenzen, etwa bei der
Körperpflege von Patienten und im «Sozialverhalten».

Manche zugewanderte Kräfte hatten dagegen laut Studie das Gefühl,
«unter Wert» zu arbeiten - in vielen Herkunftsländern wurden sie an
Hochschulen ausgebildet. Sie fühlten sich häufiger von Informationen
ausgeschlossen oder von Vorgesetzten schlechter behandelt. Für die
Studie ausgewertet wurden knapp 60 Interviews - mit nach Deutschland
gekommenen Pflegekräften, einheimischen Kräften und Vorgesetzten.