Nach Übernahme durch Chinesen: Biotest schafft 300 neue Jobs

28.01.2019 07:00

Biotest zählt zu den wenigen Arzneifirmen in Europa, die aus
Blutplasma Medikamente gegen Immunschwächen, Gerinnungsstörungen und
für schwere Operationen herstellen. Unter seinem neuen chinesischen
Eigner hat das Unternehmen große Pläne.

Dreieich (dpa) - Der Pharmakonzern Biotest will die Zahl seiner
Mitarbeiter kräftig steigern. Am Hauptsitz in Dreieich nahe Frankfurt
werde in den nächsten zwei Jahren eine neue Produktionsanlage für
Medikamente aus Blutplasma fertiggestellt und so die Kapazität
verdoppelt, sagte Vorstandschef Bernhard Ehmer der Deutschen
Presse-Agentur. «Biotest investiert dafür rund 300 Millionen Euro und
sieht vor, insgesamt rund 300 neue Mitarbeiter einzustellen.» Ein
Drittel davon habe bereits die Arbeit aufgenommen.

Das Unternehmen mit mehr als 1600 Beschäftigten weltweit wurde 2018
vom chinesischen Investor Creat mehrheitlich übernommen. Mit einem
Firmenwert von 1,3 Milliarden Euro inklusive Schulden war es einer
der größten Firmenkäufe durch Chinesen in Deutschland. «Mit Hilfe v
on
Creat konnten alle Kredite von Biotest abgelöst werden, was dem
Unternehmen neuen Spielraum gibt», sagte Ehmer. Mit dem neuen
Großaktionär aus China habe man ein «vertrauensvolles Verhältnis»
.

Biotest entwickelt aus Blutplasma-Spenden Arzneien, die etwa bei
Blutgerinnungsstörungen zum Einsatz kommen. Patienten mit dieser
Krankheit können Blutungen nicht stillen und geraten selbst bei
kleinen Verletzungen in Gefahr - im Extremfall können sie sogar
verbluten. Solchen Patienten bietet Biotest Injektionen mit
Gerinnungsfaktoren.

Andere Mittel bekämpfen schwere Schwächen des Immunsystems oder
werden in der Notfallmedizin gebraucht, wenn Menschen nach schweren
Verletzungen viel Blut verloren haben. Zusammen mit Partnern
verarbeitet Biotest jährlich bis zu 1,3 Millionen Liter Blutplasma
und erzielte 2017 rund 378 Millionen Euro Umsatz.

Der Plasma-Markt wachse weltweit etwa um acht Prozent pro Jahr, sagte
Ehmer. Mit der neuen Produktion steige auch die Effizienz im
Biotest-Betrieb. «Gewinnen wir bisher aus einem Liter Blutplasma drei
Produkte, werden es künftig fünf sein.» Jedoch sei es nicht einfach,

für den Stellenaufbau Fachkräfte wie Chemikanten zu finden.

Zudem ist Blutplasma schwer zu bekommen: Spenden gegen eine
Aufwandsentschädigung sind in Europa nur in Deutschland, Österreich,
Ungarn und Tschechien erlaubt. Danach dauert die Verarbeitung bei
Biotest neun Monate. Das Plasma muss bei minus 30 Grad gekühlt und
von gut ausgebildeten Mitarbeitern verarbeitet werden.

Wie sensibel die Produktion ist, zeigte ein Zwischenfall 2017: Beim
Präparat Humanalbumin gegen Verbrennungen kam es zur Verunreinigung,
da Kühlmittel in die Herstellung gelangte. Biotest musste das Mittel
zurückrufen und die Gewinnprognose senken.

Nun hofft Biotest auf lukrative Märkte. Mit der neuen Anlage werde
der Konzern die Auflagen der US-Arzneibehörde FDA erfüllen können und

Plasma-Medikamente in den Vereinigten Staaten auf den Markt bringen,
sagte Ehmer. Derzeit darf Biotest das nicht. Die US-Geschäfte mussten
die Hessen im Zuge der Übernahme verkaufen.

Für den Markt in Fernost wiederum könnte sich die Übernahme durch
Creat auszahlen. Die Chinesen kontrollieren den landesweit größten
Blutplasma-Spezialisten, Shanghai Raas. Nun würden Schritte
vorbereitet, «um Biotest mit Shanghai Raas näher zusammenzuführen»,

sagte Ehmer. Bislang ist der chinesische Markt für ausländische
Anbieter weitgehend verschlossen. Sollte die Regierung in Peking ihn
öffnen, dürfte Biotest mit chinesischem Eigner gute Karten haben.