Kochdämpfe am Arbeitsplatz erhöhen das Risiko für Bronchitis

28.01.2019 04:00

Wer als Koch tagtäglich am Grill steht, atmet große Mengen an Dämpfen

ein. Einer neuen Studie zufolge sind diese alles andere als harmlos.

Trondheim (dpa) - Köche in Norwegen gehören zu den Berufsgruppen mit
der niedrigsten Lebenserwartung. Ein Grund könnten einer Analyse
zufolge die Kochdämpfe sein, denen sie täglich ausgesetzt sind. In
seiner Doktorarbeit an der Technisch-Naturwissenschaftlichen
Universität Norwegens in Trondheim ist der Arzt Sindre Rabben Svedahl
der Frage nachgegangen, ob die Arbeitsbedingungen in der Küche die
Lungenfunktion verändern. Die Antwort: Ja, es gibt einen Zusammenhang
zwischen Bronchitis und Kochdämpfen.

Die Daten stammen aus einer Befragung von fast 900 norwegischen
Köchen aus dem Jahr 2010, die ihre Ausbildung zwischen 1988 und 2008
abgeschlossen haben. Von den Köchen, die zum Zeitpunkt der Befragung
noch immer in ihrem Beruf arbeiteten, berichteten rund 17 Prozent von
Atembeschwerden bei der Arbeit, mehr als ein Viertel davon täglich.

Wer mehr als den halben Arbeitstag damit verbrachte, Lebensmittel zu
braten, erhöhte sein Risiko für chronische Bronchitis um den Faktor
2,5. Bei einem Großteil der Befragten ließen die Symptome nach,
sobald sie nicht mehr am Grill standen. Das zeige, so Svedahl in der
Doktorarbeit, dass die Arbeitsbedingungen tatsächlich mit der
Gesundheit zusammenhängen.

Grund dafür, dass viele Köche ihren Beruf irgendwann aufgeben, sind
allerdings eher andere Faktoren. Am häufigsten nannten die Befragten
Beschwerden an Muskeln und Skelett sowie schlechten
Arbeitsbedingungen. Svedahl plant, die Köche in einer Langzeitstudie
immer wieder zu ihrer Gesundheit zu befragen.

Atembeschwerden bei Köchen seien auch in Deutschland nicht selten,
sagte Dennis Nowak vom Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial-
und Umweltmedizin in München. «Ich habe Köche mit Mehl-Asthma,
Fisch-Asthma, Meeresfrüchte-Asthma, Spinat-Asthma, Karotten-Asthma
erlebt. Wenn Meidung nicht reichte, ging das bis zur Umschulung bei
Berufskrankheit.» In den Dämpfen befänden sich Reizstoffe und
Allergene, die solche Beschwerden auslösen könnten.

In Deutschland habe die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel gute
Präventionsprogramme für Köche, sagte Nowak. Außerdem sollte der
Arbeitgeber für vernünftige Schichtpläne, gute Absauganlagen und gute

Ergonomie sorgen. «Da kann man vieles tun», meinte er. Zu Hause am
Herd sollte man sich den Spaß nicht vermiesen lassen, findet Nowak.
«Von privatem Kochen wird keiner krank.»