Ärzte behandeln Alkoholvergiftung mit Dosenbier

11.01.2019 09:24

Hanoi (dpa) - Mit Dosenbier haben Ärzte in Vietnam einen 48-jährigen
Mann von einer schweren Alkoholvergiftung geheilt. Die Mediziner des
Krankenhauses Quang Tri in der gleichnamigen Provinz flößten ihrem
Patienten nach und nach 15 Dosen des Gerstensafts ein, wie die
staatlich gelenkte Presse des südostasiatischen Landes berichtete.
Mit Erfolg: Der Mann, der eine große Menge Methanol zu sich genommen
hatte, vermutlich durch gepanschten Schnaps, konnte nach einem
Bericht der Tageszeitung «Tuoi Tre» die Klinik nach dem 15. Bier
wieder verlassen.

In weniger entwickelten Ländern kommt es immer wieder vor, dass
Menschen nach dem Verzehr von billig gepanschtem Fusel, der Methanol
enthält, schwer erkranken oder auch sterben. Methanol entsteht, wenn
beim Destillieren von Alkohol nicht richtig gearbeitet wird. Wenn die
Leber dann versucht, den Körper vom Alkohol zu entgiften, wird das
Methanol zu Formaldehyd und Ameisensäure umgewandelt. Dies kann die
Nervenzellen schädigen, zur Erblindung und sogar zum Tod führen.

Bei ihrer ungewöhnlichen Behandlung machten sich die Ärzte in Vietnam
einen Trick zunutze, um die Umwandlung des Methanols zu verhindern:
Sie beschäftigten die Leber anderweitig, indem sie dem Patienten
Ethanol, also «normalen» Alkohol, in Form von Bier verabreichten. Pro
Stunde bekam er nach und nach eine Dose. Das gefährliche Methanol
wird dann nach und nach durch die Atmung und den Urin ausgeschieden.
Wenn dies gelingt, bleibt ein schwerer Kater - mehr nicht.

Bei dem vietnamesischen Patienten dauerte es insgesamt 15 Stunden,
bis die schlimmsten Auswirkungen der Alkoholvergiftung vorbei waren.
Der behandelnde Arzt Tran Van Thanh meinte in der vietnamesischen
Zeitung, die angewandte Methode entspreche «keinem medizinischen
Standard». «Aber in der Praxis hat sie sich als effektiv erwiesen.»

Der Notfall-Mediziner Hans-Jörg Busch vom Universitätsklinikum
Freiburg sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa dazu: «Die Therapie
mit 15 Dosen Bier ist eher ungewöhnlich, aber gut nachvollziehbar.
Möglicherweise hatten die vietnamesischen Kollegen keinen anderen
Alkohol zur Hand.» Auf die Art des Alkohols komme es aber auch nicht
unbedingt an, so der Professor. «Viel wichtiger ist, dass die
Therapie sofort eingeleitet wird.»