Labors leer, Konferenzen abgesagt: Die Wissenschaft im US-«Shutdown» Von Christina Horsten, dpa

11.01.2019 04:00

Seit rund drei Wochen legt ein «Shutdown» Teile der US-Regierung
lahm. Die Haushaltssperre betrifft Behörden und Regierungsmitarbeiter
- und die Wissenschaft: Daten können nicht gesammelt,
Forschungsreisen nicht angetreten, Museen nicht besichtigt werden.

Washington (dpa) - In den USA herrscht «Shutdown»: Präsident Donald
Trump will vom Kongress 5,7 Milliarden Dollar für den Bau einer Mauer
an der Grenze zu Mexiko. Die Demokraten im Kongress wollen diese
Mauer nicht und deswegen auch kein Geld dafür herausrücken. Die
Folge: Seit rund drei Wochen legt eine Haushaltssperre Teile der
US-Regierung lahm. Zahlreiche Behörden funktionieren gar nicht oder
nur im Notmodus, rund 800 000 Regierungsmitarbeiter sind im
Zwangsurlaub oder arbeiten weiter - unbezahlt. Der «Shutdown»
betrifft aber nicht nur die Politik, sondern auch die Wissenschaft.
Ein Überblick:

- BEHÖRDEN: Viele der betroffenen rund 800 000 Regierungsmitarbeiter
sind Wissenschaftler. In zahlreichen Behörden werden nur diejenigen
weiter beschäftigt, deren Arbeit als «absolut notwendig» eingestuft
wird. Bei der nationalen Wissenschaftsstiftung NSF sind das nach
Angaben des Fachmagazins «Nature» beispielsweise gerade einmal 60 von
2000 Mitarbeitern, bei der Klima- und Wetterbehörde NOAA 5500 von 11
400, bei der Umweltschutzorganisation EPA ungefähr 750 von mehr als
14 000. Die Mitarbeiter der nationalen Gesundheitsinstitute NIH und
die US-Energiebehörde hatten ihre Budgets schon vor der
Haushaltssperre bewilligt bekommen und können weiterarbeiten. Auch
rund 60 Prozent der Angestellten der Medikamentenbehörde FDA können
normal weitermachen, da diese sich nicht nur aus Haushaltsmitteln
finanziert.

- MITARBEITER: Viele Regierungsmitarbeiter, die von dem «Shutdown»
betroffen sind, dürfen nicht nur nicht zur Arbeit kommen - sie dürfen
auch nicht von zu Hause arbeiten. Sie dürfen ihre E-Mails nicht
abrufen und kommen an wichtige Daten nicht heran, die auf den
Regierungsservern abgelegt sind. Deswegen mussten zahlreiche
Forschungsprojekte auf Eis gelegt werden, neue Daten können
vielerorts nicht gesammelt werden, Konferenzen mussten abgesagt
werden oder in viel kleinerem Rahmen stattfinden, weil Forscher die
geplanten Dienstreisen nicht antreten durften. «Ich darf nicht
arbeiten. Ich darf nicht auf Dienstreisen. Ich darf meinen
Dienstlaptop nicht benutzen», schrieb die Nasa-Wissenschaftlerin Jane
Rigby bei Twitter. «Darf ich über das Universum nachdenken? Unklar.»


- RAUMFAHRT: «Die Nasa ist derzeit geschlossen», steht auf der
Webseite der US-Raumfahrtbehörde. Die vielen Missionen laufen
natürlich weiter, bis ins All reicht der «Shutdown» nicht. Aber nur
die Mitarbeiter, die für die reibungslose Durchführung dieser
Missionen absolut notwendig sind, arbeiten auch weiter. Die Abteilung
für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise gehört nicht
dazu und so bleiben die sonst mehrmals täglich einlaufenden
Pressemitteilungen derzeit aus. Momentan laufe trotzdem noch alles
einigermaßen normal ab, hört man aus der Nasa. Halte der «Shutdown»

aber weiter an, seien Verzögerungen bei geplanten Missionen durchaus
möglich.

- MUSEEN, NATIONALPARKS, ZOOS: Auch ein Teil der Mitarbeiter vieler
naturwissenschaftlicher Museen, Nationalparks und Zoos in den USA
muss derzeit zu Hause bleiben - und viele Einrichtungen bleiben
während des «Shutdowns» für Besucher geschlossen. So zum Beispiel d
ie
19 Smithsonian-Einrichtungen in der Hauptstadt Washington, darunter
der Zoo, wo noch nicht einmal die beliebten Livestreams zu Pandas,
Elefanten und Löwen mehr funktionieren. In New York bleiben
beispielsweise das Design-Museum Cooper Hewitt und das Museum zur
Geschichte der amerikanischen Ureinwohner geschlossen. Ein Großteil
der Nationalparks ist weiterhin geöffnet, aber mit minimalem Personal
- das bedeutet in vielen Fällen geschlossene
Besucherinformationszentren und Toiletten sowie überquellende
Mülleimer.