Spahn lässt Altersbestimmung per Ultraschall prüfen

10.01.2019 06:00

Berlin (dpa) - In der Debatte über die Bestimmung des Alters von
jungen Migranten lässt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die
Möglichkeit von Untersuchungen per Ultraschall prüfen. «Ich kann
Ärzte verstehen, die zurückhaltend mit Röntgen sind, wenn sie das
Alter von jungen Migranten bestimmen sollen», sagte Spahn der in
Bielefeld erscheinenden «Neuen Westfälischen» (Donnerstag). «Aber w
ir
brauchen die Altersbestimmung. Denn das hat Auswirkungen auf die
Asylverfahren und - im Zweifel - auch auf die Strafverfahren»,
betonte der Minister. «Deshalb müssen wir einen Weg finden, das
minimalinvasiv zu machen.»

Das Ministerium fördere seit Jahresbeginn ein Projekt der Fraunhofer
Gesellschaft und der Universität des Saarlandes, um herauszufinden,
ob auch mit Ultraschall das Alter von jungen Erwachsenen bestimmt
werden kann. Das Projekt werde mit einer Million Euro gefördert. Ende
2020 sollen Ergebnisse vorliegen.

Eine Bluttat im pfälzischen Kandel vom Dezember 2017 hatte bundesweit
Aufsehen erregt und eine Debatte um die Altersbestimmung bei jungen
Flüchtlingen befeuert. Ein mutmaßlich aus Afghanistan stammender Mann
wurde vom Landgericht in Landau zu acht Jahren und sechs Monaten
wegen Mordes an seiner 15-jährigen Exfreundin verurteilt.

Der Verurteilte Abdul D. war im April 2016 als unbegleiteter
Flüchtling eingereist. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an.
Nach der Tat kamen Zweifel daran auf. Ein Gutachten kam zum Ergebnis,
dass er zum Tatzeitpunkt mindestens 17 Jahre und 6 Monate alt, aber
wahrscheinlich schon 20 Jahre alt war. Das Landgericht hatte sich
dafür entschieden - im Zweifel für den Angeklagten - den gesamten
Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen.