Studie belegt erhöhte PCB-Belastung bei Bergleuten

09.01.2019 13:04

Essen (dpa/lnw) - Viele Bergleute sind durch ihre Arbeit unter Tage
stärker mit dem Umweltgift PCB belastet als der Durchschnitt der
Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis ist eine vom Bergbaukonzern RAG in
Auftrag gegebene Untersuchung gekommen. Das bedeute aber «keine akute
Gesundheitsgefährdung der untersuchten Bergleute», sagte der Leiter
der Studie, Prof. Thomas Kraus, am Mittwoch in Essen. Polychlorierte
Biphenyle (PCB) sind nach Einschätzung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend.

Der Arbeits- und Umweltmediziner der RPCB WTH Aachen hatte Blutproben
von 210 Bergleuten der Jahrgänge 1947 bis 1968 untersucht. Sie hatten
als Elektro- und Maschinenhauer oder Steiger unter Tage gearbeitet.
Bei 96 von ihnen wurde eine überdurchschnittliche Belastung mit in
Hydraulikölen verwendetem PCB gefunden. Insgesamt waren in den
betreffenden Zeitraum etwa 30 000 Bergleute in den untersuchten
Berufsgruppe beschäftigt. 

Die PCB-Belastung zeige sich unabhängig davon, auf welcher Zeche die
untersuchten Bergleute gearbeitet hätten, sagte Kraus. Die gewonnen
Daten ließen darauf schließen, dass die Bergleute zur Zeit ihrer
Berufstätigkeit deutlich über dem heute geltenden PCB-Grenzwerten
belastet gewesen seien. In einer Nachfolgestudie sollen jetzt
mögliche Zusammenhänge zwischen der PCB-Belastung und Erkrankungen
ermittelt werden. Schnelle Antworten seien aber nicht zu erwarten,
sagte RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf. Für die Teilnehmer der ersten
Studie gebe es ein medizinisches Betreuungsprogramm.   

Im Bergbau waren PCB-haltige Hydrauliköle seit Mitte der 1960er Jahre
bis 1986 zur Verbesserung des Brandschutzes unter Tage eingesetzt
worden. Damals habe es noch keine Hinweise auf ihr
Gefährdungspotenzial gegeben, betonte die RAG. Das Unternehmen
stellte die vor einem Jahr in Auftrag gegebene Studie wenige Wochen
nach der Schließung der letzten deutschen Steinkohlenzeche in Bottrop
vor.

Mit PCB ist auch das Grubenwasser belastet, das die RAG auf Dauer aus
den stillgelegten Zechen abpumpen muss. Bei der Einleitung des
Grubenwassers in Oberflächengewässer würden aber alle Umweltnormen
eingehalten, versicherte Joachim Löchte, der den Gesundheits- und
Umweltschutz bei der RAG leitet.