Nach Silvester boomt das Geschäft mit den guten Vorsätzen Von Erich Reimann, dpa

07.01.2019 06:00

Fitnessstudios werben mit Preisnachlässen. Der Sender Kabel eins
lockt mit einer Abnehm-Show. Und auch der Lebensmittelhandel
präsentiert sich nach den Völlereien der Weihnachtszeit als «Partner

für bewusste Ernährung».

Düsseldorf (dpa) - Nach den üppigen Festessen zu Weihnachten und den
feuchtfröhlichen Partys zu Silvester boomt im neuen Jahr das Geschäft
mit den guten Vorsätzen. Nicht nur Fitnessketten wie Kieser oder
McFit werben mit Sonderangeboten um Kunden. Auch der Fernsehsender
Kabel eins geht mit einer Abnehm-Show rund um den Sternekoch Frank
Rosin auf Zuschauerfang. Und Handelsketten wie Aldi, Lidl, Rewe oder
Edeka präsentieren sich, nachdem sie im Dezember noch im «kleinen
Luxus» schwelgten, im Januar als «Partner für gute Ernährung».

Kein Wunder: Schließlich ist der Jahresbeginn die Zeit der guten
Vorsätze. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der
Krankenkasse DAK-Gesundheit ergab kürzlich, dass immerhin 57 Prozent
der Bundesbürger im neuen Jahr mehr Sport treiben wollen. Jeder
Zweite (49 Prozent) will sich gesünder ernähren. Gut jeder Dritte
will abnehmen. Und gerade für den Einzelhandel kommt das schlechte
Gewissen der Verbraucher gerade recht.

«Januar und Februar sind traditionell schwierige Monate für den
Einzelhandel. Denn nach dem Fest sitzt das Geld nicht mehr so locker.
Der Handel muss deshalb neue Anreize schaffen, um die Kunden
anzulocken», erklärt der Handelsexperte Martin Fassnacht von der
Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf.

Die Themen Gesundheit und Fitness seien dafür geradezu ideal. Denn
nach dem vielen Essen zu Weihnachten gehe es jetzt darum, durch gute
Ernährung rechtzeitig wieder in Form zu kommen, um im Sommerurlaub am
Strand eine gute Figur zu machen. Wer dabei helfe, könne die
Konsumdelle zum Jahresbeginn zumindest abschwächen und die
Kundenbindung deutlich verbessern.

Die Handelsketten sind deshalb nur allzu gerne bereit, beim Kampf
gegen die angefressenen Pfunde Hilfestellung zu leisten. Der
Discounter Lidl hat zum Jahresanfang die «Zieh's-durch-Wochen»
ausgerufen. Acht Wochen lang soll die Kampagne, die auch TV- und
Radio-Spots sowie Social-Media-Aktivitäten umfasst, dauern und bei
der Einhaltung der guten Vorsätze helfen - etwa mit Rezepten für
Superfood-Porridge oder Gemüsenudeln mit Linsenbolognese. Und
natürlich gibt es dazu im Laden und im Lidl-Online-Shop nicht nur die
passenden Lebensmittel, sondern auch die notwendige Sportausrüstung
bis hin zum fast 800 Euro teuren Ellipsentrainer Ergometer. «Außerdem
bieten wir viele alltagstaugliche Tipps, damit Ausreden erst gar
nicht aufkommen können», verspricht Lidl-Manager Jürgen Achenbach.

Alleine ist Lidl nicht. Auch Aldi präsentiert sich aktuell mit einer
neuen Kampagne als «Partner für bewusste Ernährung». Der Discounter

wolle «beim Verbraucher das Bewusstsein schärfen, wie einfach eine
ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung in den Alltag integriert
werden kann», sagt Aldi-Managerin Julia Adou. Auch in der
Aldi-Werbung sind Sportgeräte von der Kugelhantel bis zum
Crosstrainer prominent platziert. Außerdem finden sich bei dem
Discounter neben den Standard-Produkten derzeit Protein-Drinks und
«5-Kalorien-Nudeln» aus Alginat im Angebot.

Wer auf die Online-Seiten von Rewe oder Edeka geht, kommt an gesunden
Rezepten ebenfalls kaum vorbei. Das Angebot reicht vom Quinoa-Curry
mit Kürbis über Gemüse-Spaghetti mit scharfer Avocadocreme bis zu
Grünkohl-Smoothies und einem «Super Green Salad» aus grünem Spargel
,
Spinat, Zucchini und Erbsen.

Einen Haken hat die Sache allerdings - für Verbraucher und für den
Handel. Die guten Vorsätze halten oft nicht lange an. Der
Forsa-Umfrage zufolge gelang es im vergangenen Jahr nur jedem zweiten
Verbraucher, seine guten Vorsätze vier Monate und länger
durchzuhalten. Das dürfte in diesem Jahr kaum anders sein. Für den
Marketing-Experten Fassnacht steht deshalb fest, das das Ende der
Fitness-Fixierung in der Handelswerbung schon absehbar ist:
«Spätestens zu Ostern wird uns der Handel dann wieder nahelegen, uns
doch selber wieder einmal mit gutem Essen zu verwöhnen.»