Brexit: Run auf Pässe anderer EU-Länder - May appelliert an Parlament

06.01.2019 18:17

Die Uhr tickt: In weniger als drei Monaten verlässt Großbritannien
die EU. Bei vielen Briten liegen die Nerven blank. Das zerstrittene
Parlament soll in etwa einer Woche über das Abkommen abstimmen.

London (dpa) - Angesichts des bevorstehenden Brexits ist die Zahl der
Einbürgerungsanträge von Briten in vielen EU-Ländern erheblich
gestiegen. Das gilt unter anderem für Deutschland, Irland, Portugal
und Schweden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.
Der Run der Briten auf die Pässe aus anderen Ländern setzte mit dem
Brexit-Referendum im Jahr 2016 ein. Die einzelnen EU-Staaten legen
die Hürden für die Einbürgerungen unterschiedlich hoch.

Der für Ende März geplante Austritt aus der Europäischen Union
verunsichert zahlreiche Briten. Sie fürchten insbesondere ökonomische
Nachteile bei einem Brexit ohne Abkommen mit der EU.

Die britische Premierministerin Theresa May appellierte wieder an das
Parlament, für das Brexit-Abkommen zu stimmen. Andernfalls drohten
wirtschaftliche Schäden und das Vertrauen in die Demokratie würde
schwinden. Großbritannien stehe vor einer «tiefgreifenden
Herausforderung», schrieb May in der Zeitung «Mail on Sunday».

Die Regierungschefin bestätigte am Sonntag in einem BBC-Interview,
dass die Abstimmung im Parlament voraussichtlich am 14. oder 15.
Januar sein werde. Bislang war meist etwas allgemeiner von der
dritten Januarwoche die Rede. Die Parlamentarier werden ab Mittwoch
wieder über das zwischen May und Brüssel ausgehandelte Abkommen
debattieren.

Eine Mehrheit für das Abkommen ist aber immer noch nicht in Sicht.
Ursprünglich war die Abstimmung schon am 11. Dezember geplant. May
hatte den Termin aber wegen der sich abzeichnenden Niederlage
verschoben. Bei einer ungeregelten Trennung von der EU am 29. März
drohen Großbritannien chaotische Verhältnisse in vielen Bereichen.

Einer neuen YouGov-Umfrage zufolge stützt weniger als ein Viertel der
Briten die Pläne der Premierministerin. Die Online-Befragung von mehr
als 25 000 Personen wurde im Auftrag der Kampagne People`s Vote
vorgenommen, die sich für ein zweites Brexit-Referendum einsetzt. May
hat wiederholt eine zweite Volksabstimmung vehement ausgeschlossen
und dies bislang immer mit dem Willen des Volkes begründet.

In der «Mail on Sunday» warb May auch für ihre zusätzlichen
jährlichen Milliarden-Finanzspritzen zur Unterstützung des maroden
staatlichen Gesundheitsdienstes NHS (National Health System). Damit
sollen unter anderem psychisch Kranke besser versorgt werden.
Patienten erhalten digitalen Zugang zum Hausarzt, um etwa Termine zu
vereinbaren. Nach Angaben des Königlichen Colleges für Krankenpflege
sind damit aber noch längst nicht alle Probleme behoben: Allein in
England fehlten mehr als 40 000 Krankenschwestern und -pfleger.

Gesundheitsminister Matt Hancock hält Mangel an Arzneimitteln im
Falle eines «No Deals» für unwahrscheinlich. Dies hänge aber von de
n
Vorbereitungen ab, die die Pharmaindustrie treffe, sagte er dem
Sender Sky News. Auf die Frage einer Reporterin, ob er garantieren
könnte, dass niemand nach einem ungeregelten Brexit wegen fehlender
Medikamente sterben müsse, sagte Hancock: «Ich bin zuversichtlich,
dass wir eine ungestörte Arzneimittel-Versorgung solange haben, wie
die bereitliegenden Pläne korrekt ausgeführt werden.»