Ärzte warnen vor hohen Feinstaubwerten durch Silvesterfeuerwerk Von Gisela Gross, dpa

30.12.2018 04:05

Brennen in den Augen und Husten: Der 1. Januar ist an vielen Orten
der Tag mit dem höchsten Feinstaubwert des ganzen Jahres. Ärzte
schlagen Alarm und rufen zum Feuerwerksverzicht auf.

Berlin/Dessau-Roßlau (dpa) - Millionen Menschen in Deutschland zücken
am Montag wieder Feuerzeuge und Streichhölzer, um das neue Jahr mit
Raketen zu begrüßen. Doch das Feuerwerk hat eine Kehrseite für die
Gesundheit: Regelmäßig schießen zu Silvester die Feinstaubwerte in
die Höhe, besonders in Großstädten. Wegen der Folgen für kleine
Kinder, Senioren und chronisch Kranke hat die Deutsche Gesellschaft
für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dazu aufgerufen, weniger
Feuerwerk einzusetzen oder ganz darauf zu verzichten. Diese Gruppen
litten zu Beginn des neuen Jahres besonders häufig unter Husten und
Atembeschwerden, es komme vermehrt zu Krankenhauseinlieferungen.

Das Umweltbundesamt (UBA) erwartet zu Silvester die Freisetzung von
rund 4500 Tonnen Feinstaub - kleinste, für das menschliche Auge meist
unsichtbare Teilchen. Das sei in etwa die Größenordnung der Vorjahre,
sagte UBA-Meteorologin Ute Dauert der Deutschen Presse-Agentur. «Wie
groß die tatsächliche Feinstaubbelastung in der Silvesternacht wird
und wie schnell sie wieder abklingt, hängt dann aber auch von den
Wetterverhältnissen ab.»

In der ersten Stunde des neuen Jahres können die Feinstaubwerte, die
normalerweise um die 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen,
mitunter auf 2000 oder bis hin zu 4000 in die Höhe schießen, wie
Dauert erläuterte. Herrsche eine kalte Hochdruckwetterlage mit sehr
eingeschränktem Luftaustausch, gehe die Feinstaubbelastung nur sehr
langsam zurück. Das heißt, dass sich die winzigen Stückchen, die beim

Abbrennen von Feuerwerk entstehen, durchaus mehrere Tage in der Luft
halten - für Städte kann das der Expertin zufolge im Einzelfall
extrem hohe Tagesmittelwerte von mehr als 500 Mikrogramm pro
Kubikmeter bedeuten.

Zumindest aus gesundheitlicher Sicht wäre auf Regen und Sturm in der
Silvesternacht zu hoffen: Dann sinken die Feinstaubwerte in der Regel
innerhalb von Stunden wieder auf Normalniveau ab. Das war etwa an
Silvester 2017/2018 der Fall. Erfahrungsgemäß trifft eine hohe
Feinstaubbelastung zu Silvester besonders Städte wie Berlin, München
und Hamburg. Ballungsräume, in denen viele Menschen auf engem Raum
Feuerwerk abschießen, zum Beispiel auf Feiermeilen. Generell wird
laut UBA in vielen Städten am ersten Januar der höchste Feinstaubwert

des ganzen Jahres erreicht.

Extrem hohe Feinstaubwerte können kleinen Kindern, Senioren, aber
auch Asthmatikern und chronisch Lungenkranken akute Probleme wie
Husten und Atembeschwerden bereiten. Schützen könnten sich diese
Menschen kaum, da selbst Atemschutzmasken die Mini-Teilchen nicht
komplett filterten, so die DGP. Auch Gesunde dürften das Halskratzen
und das Brennen in den Augen nach dem Feuerwerk kennen.

Für die Gesundheit der Menschen sind laut UBA zwar dauerhaft erhöhte
Werte bedeutender als einzelne Ereignisse wie Silvester. Expertin
Dauert betonte aber auch, dass es für Feinstaub keine Schwelle gibt,
unterhalb derer keine schädigende Wirkung für die Bevölkerung zu
erwarten ist.

Der Anteil von Feuerwerk an den Gesamt-Feinstaubemissionen in
Deutschland betrage gut zwei Prozent, sagte Dauert. Zieht man nur die
Straßenverkehrsemissionen als Vergleich heran, so macht Feuerwerk
rund 15 Prozent der jährlich freigesetzten Menge aus.

Feinstaub entsteht im Verkehr durch Verbrennungsmotoren, aber auch
durch Reifenabrieb. Weitere Quellen sind zum Beispiel die Industrie,
Kraftwerke und Holzöfen. Hinzu kommen natürliche Feinstaubquellen, so
dass eine gewisse Grundbelastung unvermeidlich ist.

Feinstaub kann je nach Teilchengröße nicht nur tief in Lunge und
Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des
Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. Insgesamt verliere die
Bevölkerung in Deutschland durch Luftverschmutzung mit Feinstaub
jährlich 600 000 Lebensjahre, teilte die DGP mit. Inzwischen wird
Feinstaub auch als Risikofaktor für Demenz diskutiert.

Die EU-Grenzwerte für Feinstaub wurden in Deutschland in den
vergangenen Jahren weitgehend eingehalten - das liegt aber auch
daran, dass die zulässigen Werte teils deutlich höher liegen als die
von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerte.