Merz, Spahn, AKK? Welcher CDU-Chef passt am besten zur CSU Von Marco Hadem und Christoph Trost, dpa

04.12.2018 04:30

Zwischen CDU und CSU hat es in den vergangenen Jahren oft laut
gekracht. Im Mittelpunkt dabei immer die scheidenden Parteichefs
Merkel und Seehofer. Wird unter ihren Nachfolgern alles anders?

München/Berlin (dpa) - Mit den angekündigten Rücktritten von
CDU-Chefin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer steht die Union
vor einer Zeitenwende. Während bei den Christsozialen der Nachfolger
mit Ministerpräsident Markus Söder schon mangels Konkurrenz faktisch
gesetzt ist, buhlen bei den Christdemokraten mehrere Kandidaten um
das wichtige Amt. Doch welcher der drei wohl aussichtsreichsten
Bewerber Friedrich Merz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer -
kurz AKK - passt am besten zur bayerischen Schwesterpartei?

Keine Frage, das Verhältnis zwischen weiten Teilen der CSU und Merkel
ist seit Jahren nicht das beste. Noch immer werfen ihr - vornehmlich
Vertreter des rechtskonservativen CSU-Flügels - Fehlentscheidungen
zulasten Bayerns bei der Flüchtlingskrise 2015 vor. Gern ist in dem
Kontext dann an Stammtischen und darüber hinaus von einer «Ursünde»

die Rede, die das Vertrauen irreparabel beschädigt hat.

Da wundert es nicht, dass schon Merkels angekündigter Verzicht für
die Neuwahl des CDU-Chefpostens in der CSU für Erleichterung gesorgt
hat. «Damit hat sie wie in der CDU auch bei uns viel Druck vom Kessel
genommen», sagt ein Parteivorstand. Die Hoffnung sei groß, dass mit
einem personellen Wechsel das strapazierte Grundvertrauen unter den
Unionsschwestern wieder besser wird. «Da ist in den vergangenen
Jahren zu viel passiert, all das Negative hat sich mit dem Namen
Merkel ins Gedächtnis der Partei gebrannt.»

Wie in der CDU gibt es auch in der CSU nicht «den» einen
Wunschkandidaten für die Merkel-Nachfolge. Jeder Bewerber - Spahn,
AKK und Merz - stößt auch bei der bayerischen Schwester auf
Befürworter wie Kritiker. Zur Wahrheit gehört auch, dass niemand so
recht an einen Sieg des 38-Jährigen Bundesgesundheitsministers
glauben mag, auch wenn er seit Jahren eine Freundschaft zu Söder und
eine Nähe zur CSU pflegt. «Für ihn kommt das jetzt noch zu früh,
aber
ihm gehört die Zukunft», sagt ein hoher Funktionär.

Ob jetzt Merz oder doch AKK Parteichef würden, sei nur zweitrangig.
«Jeder hat für uns Vor- und Nachteile», sagt ein CSU-Funktionär, de
r
alle Bewerber gut kennt. Entscheidender sei, dass sich die CDU nach
18 Jahren Merkel neu aufstelle und so die seit Jahren festgefahrene
Machtarchitektur neu justiert werde. Dies gelte mit Blick auf die
Stabilität der aktuellen Bundesregierung. Denn künftig dürften hier
mit Merz oder AKK sowie Söder gleich zwei neue Parteichefs im
Koalitionsausschuss Platz nehmen, die weder Mitglieder des Kabinetts
noch des Bundestages sind. In der CSU wird dies als strategischer
Vorteil angesehen, da es ein Kräfteverhältnis auf Augenhöhe bedeute.


Darüber hinaus, so die Erwartungen in der CSU, werde sich die CDU mit
Merz wie mit AKK wieder auf ein konservativeres Profil besinnen.
«Beide orientieren sich mehr an den Werten, die auch die
CSU hochhält», heißt es aus der CSU-Spitze. Dadurch werde es - ande
rs
als bei Merkel und Seehofer - mehr inhaltliche Übereinstimmung geben,
ohne dass es wie in der Asylpolitik immer einen großen Streit gebe,
der in den letzten Jahren auch durch persönliche Eitelkeiten bestimmt
wurde.

Für Merz spreche inhaltlich und persönlich, dass er sicher in der
Innen- und Asylpolitik noch näher am Kurs der CSU anzusiedeln sei,
heißt es in der CSU. Gegen ihn spreche seine Fokussierung auf die
Interessen des Wirtschaftsflügels und sein Verständnis der «alten
Unionsidee». Mit Kramp-Karrenbauer an der Spitze hätte die Union den
Vorteil, wie bei Merkel, dass sie gesellschaftlich ein breiteres
Publikum anspreche, skeptisch stimme die Konservativen dagegen die
Nähe der Saarländerin zu Merkels Asylpolitik.

Für die Zukunft von CDU und CSU in der Unionsfamilie ist aber nicht
nur entscheidend, wer CDU-Chef und damit wohl logischerweise auch
nächster Kanzlerkandidat wird. Umgekehrt - heißt es aus der CDU - sei
auch entscheidend, wie sich der Seehofer-Nachfolger Söder in Berlin
verhalte. Seine Ankündigung, «die gemeinsame Substanz mit der CDU»
stärker betonen zu wollen, wurde in der CDU zwar wohlwollend
wahrgenommen. «Bis da aber wieder ein Vertrauen entsteht, wird es
noch dauern», sagt ein CDU-Präsidiumsmitglied. Damit ist klar: Die
gegenseitige Skepsis abzubauen wird für beide Chefs beider Schwestern
eine der größten Herausforderungen.