IOC friert Olympia-Quali für Boxer ein - AIBA reagiert zurückhaltend

02.12.2018 13:48

Im Streit mit dem Boxweltverband AIBA verstärkt das IOC seinen Druck.
Die Olympia-Vorbereitungen des Verbandes sind zunächst auf Eis
gelegt. Statt eines Protestes kommen von der AIBA aber sanfte Töne.

Tokio/Lausanne (dpa) - Der Boxweltverband AIBA hat zurückhaltend auf
die Ankündigung des IOC reagiert, die Olympia-Planung und
Qualifikation der Boxer für Tokio 2020 auszusetzen. IOC-Präsident
Thomas Bach hatte am Samstag nach Abschluss der Tagung des
Exekutivkomitees in Tokio trotz Drängens des japanischen Boxverbandes
eine Zusicherung abgelehnt, dass Boxen zum Programm der Spiele 2020
gehören werde. Die AIBA teilte auf ihrer Verbandsseite mit, sie freue
sich, dass die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees
Fortschritte des Verbandes anerkannt habe.

Das IOC ist sowohl mit der Wahl des umstrittenen Usbeken Gafur
Rachimow zum AIBA-Präsidenten als auch mit der wirtschaftlichen
Situation des Verbandes unzufrieden. Die AIBA hatte dem IOC einen
Bericht unter anderem zur Verbandsführung und zum Finanzmanagement
vorgelegt. Nachdem der Boxverband noch vor einem Jahr Schulden von
rund 30 Millionen Dollar angehäuft hatte, habe er nun «finanzielle
Stabilität» erreicht, sagte Rachimow. Zudem arbeite der Verband im
Anti-Doping-Kampf nunmehr WADA-konform und habe das Kampfrichter- und
Bewertungssystem überholt. Dieses habe sich kürzlich sowohl bei den
Olympischen Jugend-Spielen als auch bei der Frauen-WM bewährt.

«Ich möchte der IOC-Exekutive danken und ihr versichern, dass sich
die AIBA in allen Bereichen, in denen sie Bedenken hat, verbessern
will», sagte Rachimow, dem von USA-Behörden kriminelle Machenschaften
nachgesagt werden. Die Bewertung seiner Person basiere auf «falschen
Vorwürfen des früheren Regimes meines Landes», betonte Rachimow.
Seine Rechtsbeistände in den USA arbeiteten derzeit intensiv an der
Aufklärung der Vorwürfe.

Die IOC-Exekutive beauftragte eine Untersuchungskommission mit der
Überprüfung der AIBA. Ein Kritikpunkt des IOC ist, dass der
Boxverband nach Kenntnisstand des IOC an seinem Standort in der
Schweiz kein Bankkonto unterhalten oder eröffnen könne.

Man wolle ein Boxturnier bei den Spielen in Tokio und man werde alle
Anstrengungen unternehmen, dass das auch so kommt, betonte Bach. Das
IOC untersagt der AIBA allerdings bis auf weiteres jegliche
offiziellen Kontakte zu den Organisatoren der Olympischen Spiele 2020
in Tokio. Es gibt Spekulationen, dass ein Turnier unter der Regie des
IOC statt der AIBA stattfinden könnte.

«Wir müssen den Sportlern ein faires Zeitfenster geben, damit sie
sich für Olympia qualifizieren können. Deshalb ist eine Aussetzung
dieses Prozesses nicht hilfreich und bestraft Millionen Boxer
weltweit», sagte Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen
Boxsport-Verbandes (DBV).