Deutscher Arzt im Kongo: Im Schutzanzug gegen Ebola kämpfen Von Jürgen Bätz, dpa

02.12.2018 04:01

Bei der Ebola-Epidemie im Kongo ist kein Ende abzusehen. Das Virus
könnte auf Nachbarländer übergreifen. Ein deutscher Arzt kämpft vor

Ort gegen die Seuche - bei tropischem Klima und unter strengsten
Sicherheitsvorkehrungen.

Beni (dpa) - Bei feuchter Hitze im Schutzanzug: Der Würzburger
Tropenmediziner Christian Kleine kämpft im Osten des Kongos an
vorderster Front gegen die Ausbreitung des lebensgefährlichen
Ebola-Virus. Er arbeitet unter maximalen Schutzvorkehrungen in einem
Ebola-Transitzentrum für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen
(MSF) in der Stadt Beni. «Das Tragen des Schutzanzuges ist in der
prallen Hitze des Kongos nicht länger auszuhalten als eine Stunde»,
schilderte der 42-jährige Arzt. «Angenehm ist es nur, wenn man im
Schutzanzug steckt und es regnet.»

Das An- und Ablegen des Schutzanzuges in den dafür vorgesehenen
Schleusen folge einem genauen Protokoll. «Beim Ausziehen besteht die
Gefahr, dass man sich selbst kontaminiert», sagte Kleine telefonisch
der Deutschen Presse-Agentur. Er fürchte jedoch nicht, sich
versehentlich anzustecken, denn der Monat für MSF in Beni sei bereits
sein dritter Einsatz bei einer Epidemie eines hämorrhagischen Fiebers
in Afrika. Normalerweise arbeitet er an der Missioklinik Würzburg.

Das Transitzentrum ist provisorisch auf einem Fußballfeld errichtet
worden, um die Ebola-Behandlungszentren zu entlasten. «Wir haben
Mitte November angefangen mit 16 Betten, dann 32, jetzt haben wir
aktuell 48 Betten», schilderte Kleine. Viele Patienten kämen mit
Ebola-ähnlichen Symptomen, Tests ergäben dann aber häufig, dass es
sich um andere Erkrankungen wie etwa Malaria handle.

Die Ebola-Epidemie sei weiterhin nicht unter Kontrolle, sagte Kleine.
Weil die betroffene Provinz Nord-Kivu einer Bürgerkriegsregion
gleiche, seien viele Gegenden mit Ebola-Patienten für Helfer nicht
zugänglich. «Wir sehen daher immer wieder neue Infektionsketten, von
denen wir nicht wissen, wie sie zustande gekommen sind», sagte er.
Wegen der Sicherheitslage sei es häufig nicht möglich, die Kontakte
erkrankter Patienten zurückzuverfolgen. Man könne daher keine
Prognose abgeben, bis wann die Epidemie unter Kontrolle sein werde.

In der rohstoffreichen Provinz Nord-Kivu kommt es immer wieder zu
Kämpfen, weil dort mehrere Milizen und Rebellengruppen aktiv sind.
Den Gruppen geht es meist um die Kontrolle über die Bodenschätze. Der
Ebola-Ausbruch ist die zehnte Epidemie im zentralafrikanischen Kongo.
Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge handelt es sich
inzwischen um die zweitschwerste Ebola-Epidemie der Geschichte.

Seit August haben sich Behördenangaben vom Freitag zufolge 426
Menschen mit Ebola infiziert, 245 Menschen starben an der Erkrankung.
Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der
Welt. Bei einer Epidemie 2014/2015 starben in Westafrika mehr als
11 000 Menschen. Infizierte können das nach einem kongolesischen
Fluss benannte Virus über Körperflüssigkeiten wie Blut und Schweiß

oder Erbrochenes übertragen.

Kleine erklärte, ein Vorteil des Transitzentrums sei es, dass dort
alle Patienten kostenlos behandelt würden - nicht nur jene, bei denen
Ebola-Tests positiv ausfielen. Das entlaste die völlig überforderten
örtlichen Gesundheitsstrukturen, die viele Patienten mit anderen
Krankheiten nicht mehr behandeln könnten. «Die Menschen sterben ja
nicht nur an Ebola, sondern auch wegen Ebola», sagte Kleine. Einer
der härtesten Momente der Arbeit sei es, wenn erkrankte Patienten von
ihren Familienmitgliedern getrennt werden müssten. «Das ist immer
wieder traurig mit anzusehen. Aber die Isolation der Patienten gehört
einfach dazu, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.»

Die Patienten im Transitzentrum werden auf Ebola getestet und dann
nach 48 Stunden entweder entlassen oder in das Behandlungszentrum
verlegt. Kleine sagte, im Gegensatz zu dem verheerenden
Ebola-Ausbruch in Westafrika, bei dem er 2014 ebenfalls für MSF
in Liberia im Einsatz gewesen sei, sei der Hilfseinsatz in der
Provinz Nord-Kivu «sehr schnell angelaufen» und funktioniere gut. Für

MSF seien derzeit rund 100 Mitarbeiter im Kampf gegen Ebola im
Einsatz. Viele von ihnen bemühten sich auch um die Aufklärung der
Bevölkerung zur Prävention.

In Nord-Kivu haben den Behörden zufolge inzwischen gut 37 000
Menschen einen experimentellen Ebola-Impfstoff erhalten. Der WHO
zufolge besteht weiter das Risiko, dass die Epidemie auf
Nachbarländer übergreifen könnte - etwa Uganda oder Ruanda.