Gestatten: Humboldt der Name

30.11.2018 02:54

Berlin (dpa) - Sein Name hat Weltruf. Der Naturforscher Alexander von
Humboldt (1769-1859) diente immer wieder als Namensgeber - etwa für
Städte, Landkreise, Naturparks und Gebirge. Auf dem Mond ist eine
Tiefebene nach ihm benannt - das Mare Humboldtianum - und auch ein
Asteroid trägt seinen Namen.

TIERE: Auf den Spuren Alexander von Humboldts bereiste der junge
Biologe Franz Julius Ferdinand Meyen in den 1830er Jahren den
Südpazifik. Als erster beschrieb er einen von Humboldt selbst nur
kurz erwähnten Vogel. Der vor der peruanischen Küste heimische
Brillenpinguin bekam den Namen Spheniscus humboldti -
Humboldt-Pinguin. Auch Fledermaus-, Meeresschnecken- und
Blutparasitenarten tragen den Namen Humboldts.

SCHIFFE: Container-Pötte, Kreuzfahrtriesen, Forschungsschiffe - der
Weltreisende Humboldt war immer wieder Namenspate. Die vor allem aus
der Werbung bekannte Drei-Mast-Bark «Alexander von Humboldt» hatte
schon 80 Jahre als Feuerschiff auf dem Buckel, als sie in den 1980er
Jahren als Segelschulschiff mit markant grünen Segeln ein zweites
Leben auf den Weltmeeren begann. Inzwischen liegt sie dauerhaft als
Restaurantschiff in Bremen.

EHRUNGEN: Wissenschaftliche Einrichtungen beziehen sich mit ihren
Auszeichnungen gern auf den Naturforscher Alexander von Humboldt. Die
Humboldt-Gesellschaft, gegründet 1962 in Mannheim, will im Gedenken
an beide Brüder Brücken schlagen zwischen Wissenschaften, Künsten und

Bildung. Ihre «Goldene Medaille» wird in unregelmäßigen Abständen
für
«hervorragende wissenschaftliche Leistungen oder ein herausragendes
Lebenswerk» vergeben. Die letzten Preisträger: Klaus-Dieter Lehmann,
der Präsident des Goethe-Instituts (2017) und der Theologe und
Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer (2014).

PFLANZEN: Lilien, Orchideen, Veilchen - mindestens ein Dutzend
Pflanzen und Pilze tragen den Beinamen «humboldtii». Jetzt ist eine
Neuzüchtung hinzugekommen: Die rot blühende Kleinstrauchrose gilt als
insektenfreundlich und erhielt im Sommer 2018 offiziell den Namen
«Alexander-von-Humboldt-Rose».

HOCHSCHULEN: Erdacht hat die Berliner Universität mit ihrer engen
Verbindung von Forschung und Lehre einst der Diplomat und
Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt - aber ihren heutigen
Namen Humboldt-Universität (HU) erhielt sie erst 1949. Dabei wurde
auf beide Humboldt-Brüder verwiesen, den preußischen Bildungsreformer
Wilhelm und den Forschungsreisenden Alexander. Dutzende Schulen und
Universitäten in aller Welt berufen sich auf die gleichen
Traditionen.

UND EIN NEUES SCHLOSS: Im Norden Berlins steht das Schloss Tegel -
die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt sind dort aufgewachsen.
Der Ältere ließ das Haus Anfang des 19. Jahrhunderts vom preußischen

Baumeister Karl Friedrich Schinkel klassizistisch umbauen. Heute
beherbergt es ein Humboldt-Museum. Ein deutlich größerer Bau entsteht
gerade in der Mitte der deutschen Hauptstadt: Hinter teils historisch
nachgebildeter, teils in moderner Schlichtheit gehaltener Fassade
entsteht das moderne «Humboldt-Forum im Berliner Schloss». Es soll
Platz für Museen und Ausstellungen schaffen.