«Kakao steigert die Intelligenz» - Aus für umstrittene Werbung

23.11.2018 15:30

Ist gesüßter Kakao ein gesundes Getränk für Schulkinder? Die
Verbraucherorganisation sagt «Nein» und bringt den
Schulmilch-Lieferanten Landliebe zum Nachgeben.

Berlin/Köln (dpa) - Werbung wie «Kakao steigert die Intelligenz» hat

der Schulmilchlieferant Landliebe nach Kritik der
Verbraucherschutzorganisation Foodwatch jetzt zurückgezogen. «Diese
Bedenken von Foodwatch nehmen wir ernst und haben entschieden, diese
Aussagen künftig nicht mehr zu verwenden», hieß es in einer
schriftlichen Stellungnahme des Konzerns FrieslandCampina, zu dem
Landliebe gehört. Gerügt habe Foodwatch formal-juristische Mängel,
die man aufgreife. Zugleich verteidigte das Unternehmen in dem
Statement von Freitag die staatliche Förderung des Kakaos im
Schulmilchprogramm.

Nach Darstellung von Foodwatch hat Landliebe nach einer Abmahnung des
Vereins eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Demnach dürfen
bestimmte Werbeaussagen zu gezuckerter Schokomilch nicht mehr
verbreitet werden. Unter anderem verzichtet Landliebe nach der der
dpa vorliegenden Unterlassungserklärung in Broschüren oder auf
Websites auf folgende Aussagen: «Kakao zum Frühstück verursacht
weniger Karies als Wasser», «Kakao schmeckt und macht geistig fit»,
«Kakao steigert die Intelligenz und Konzentration» sowie auf weitere
Hinweise auf Leistungssteigerung durch Schokomilch. Trotzdem betonte
Landliebe in der Erklärung, sachlich seien die kritisierten Aussagen
aber zutreffend und wissenschaftlich untermauert.

Foodwatch ging auch mit Bundesländern ins Gericht, die das
Schulmilchprogramm unkritisch mitgemacht hätten. «Wenn es den
Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und
nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem
Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein», sagte
Vereins-Geschäftsführer Martin Rücker.

Die Verbraucherorganisation forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und
Brandenburg auf, die Subventionen für Milchgetränke
mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die einzelnen Schulen
entscheiden selbst darüber, ob sie an dem Programm teilnehmen. Auch
von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erwarte Foodwatch
ein deutliches Signal gegen staatliche Förderung von Zuckerkonsum an
den Schulen, sagte Foodwatch-Vertreter Rücker.

FrieslandCampina wies darauf hin, dass es gute Gründe gebe, dass
nicht nur Milch, sondern auch zuckerhaltiger Kakao gefördert werde.
Denn nicht alle Kinder würden pure Milch mögen. «Auch diese Kinder
sollen die Möglichkeit erhalten, in den Genuss von subventionierten
Milcherzeugnissen zu kommen.» Dabei bleibe Landliebe deutlich unter
der staatlichen Vorgabe für Schulkakao von 7 Prozent. «Wir finden es
daher immer noch deutlich besser, wenn Kinder, die keine Milch mögen,
zu Schulkakao greifen statt zu herkömmlichen Erfrischungsgetränken.»

Unter anderem würden die Kinder durch das Programm mit Kalzium
versorgt.