Der Speck muss weg: Kinderärzte für Aktionsplan gegen Übergewicht

11.10.2018 16:26

Bad Orb (dpa) - Im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit bei
Kindern fordern Ärzte ein entschiedenes Vorgehen der Politik. Der
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) spricht sich für
einen nationalen Aktionsplan aus. BVKJ-Präsident Thomas Fischbach
sagte am Donnerstag bei einem Kongress in Bad Orb (Hessen), Bund,
Länder und Kommunen müssten endlich aufeinander abgestimmt etwas
gegen die Krankheit unternehmen.

Der Verband schlug konkrete Schritte vor, unter anderem eine
Zuckersteuer, eine Nährwertampel auf Produkten und ein Werbeverbot
für ungesunde Nahrungsmittel. «Kinder und Jugendliche werden dann
besser vor ungesunden, vor allem zu süßen Lebensmittel geschützt, die

dick und krank machen», erklärte Fischbach. Eine Nährwertampel zum
Beispiel könne auf einen Blick zeigen, welche Waren im
Supermarkt-Regal zu fett, zu salzig oder zu süß sind. Die Wirksamkeit
von gesetzlichen Verboten hätten zum Beispiel das Rauchverbot und die
Alkopops-Steuer bewiesen, erklärte Fischbach.

Übergewicht und krankhafte Fettleibigkeit (Adipositas) sind den
Kinderärzten zufolge auf hohem Niveau stabil. Mehr als 15 Prozent der
3- bis 17-Jährigen in Deutschlands seien betroffen. Adipositas kann
nach Angaben der Mediziner schwere, teilweise lebensbedrohliche
Krankheiten begünstigen. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes,
Kniegelenkarthrose und Depressionen.

Gesetzliche Regelungen seien aber allein nicht ausreichend, um Kinder
vor Über- und Fehlernährung zu schützen, erklärte Fischbach. Ebenso

wichtig sei es, dass Kinder sehr früh «Ernährungsbildung» im
Kindergarten und in der Schule erhielten. Auch die Stadtplanung ließe
sich verbessern. «Wir brauchen Freiräume für Kinder, in denen sie
sich bewegen können, spielen und herumtoben».