Größte Vogelgrippe-Ausbruchserie in Deutschland - Keine Entwarnung

20.03.2017 18:05

Vogelgrippe-Ausbrüche nehmen seit Ende der 1990er Jahre weltweit
rasant zu. Forscher sehen einen Ping-Pong-Effekt zwischen Wildvögeln
und Nutzgeflügel. In Deutschland ist keine Entspannung in Sicht.

Greifswald/Insel Riems (dpa) - Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
auf der Insel Riems sieht keine Anzeichen für ein Abklingen der
Vogelgrippe in Deutschland. In der vorletzten Woche habe man die
viertgrößte Fallzahl an Nachweisen seit dem ersten Ausbruch im
November 2016 dokumentiert, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter
am Montag. Mit 28 Ausbrüchen in Geflügelhaltungen im Jahr 2016 und 66
im Jahr 2017 handele es sich um die größte jemals dokumentierte Serie

von Geflügelpest in Deutschland.

«Die Lage, die wir momentan haben, gibt uns nicht die Grundlage für
eine grundsätzlich andere Einschätzung», sagte Mettenleiter. Das
Institut geht von einem weiterhin hohen Eintragungsrisiko des
tödlichen Erregers in Geflügelhaltungen aus, insbesondere bei
Haltungen in der Nähe von Wasservogelrast- und
Wildvogelsammelplätzen. Das Institut empfiehlt weiter eine
risikobasierte Aufstallung, der die Bundesländer nach Bewertung der
regionalen Situation auch folgten. Die Ausbrüche in Geflügelhaltungen
konzentrierten sich zuletzt auf Niedersachsen. Hier geht das Institut
dem Verdacht nach, dass die Seuche von einem Bestand in andere
verschleppt wurde. Durch den «genetischen Fingerabdruck» der Viren
könne man den Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit nachvollziehen.

Das FLI wies Kritik von Naturschutzverbänden zurück, die Geflügelpest

sei nicht durch Wildvögel sondern über Futter oder Tiefkühlgeflügel

von Asien nach Deutschland gelangt. Zum einen sei die Vogelgrippe in
Deutschland zuerst bei Wildvögeln und erst danach bei Nutzgeflügel
aufgetreten, sagte Mettenleiter. Zudem lasse sich der Weg des Virus
und seiner Veränderungen von Asien über Russland nach Mitteleuropa
genetisch gut nachvollziehen. Dies stimme mit den Überlappungen
verschiedener Zugvogelrouten von der Mongolei nach Europa überein, so
dass von einem etappenweisen Weitertragen des Erregers ausgegangen
werde, sagte Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik.

Das Institut verwies auch darauf, dass es bislang keine Nachweise von
Erregern in Futter gegeben habe. «Es werden Behauptungen aufgestellt,
ohne dass wir irgendwelche brauchbaren Hinweise bekommen, auf welcher
Basis die Angaben gemacht wurden», sagte Mettenleiter. Wenn jemand
sachdienliche Hinweise zu anderen Ansteckungswegen habe, solle er die
Behörden informieren.

Die Vogelgrippe war 1878 erstmals registriert worden. Seit Ende der
1990er Jahre beobachten die Forscher eine Zunahme der Ausbrüche und
auch deutlich stärkere Auswirkungen. Dies lasse sich unter anderem
mit der starken Zunahme der Nutztierhaltung erklären, insbesondere
von Geflügel in Asien. «Es gibt mehr potenzielle Wirtstiere im
Geflügelbereich und damit mehr Möglichkeiten der Infektion», sagte
Mettenleiter.  

Zwischen 1950 und 1996 wurden nach Angaben des Instituts weltweit
weniger als 20 Geflügelpest-Ausbrüche registriert. Diese Situation
habe sich seit 1997 mit dem H5-Virus völlig verändert. Internationale
Datenbanken der Welternährungsorganisation wiesen demnach allein seit
2004 etwa 24 000 Ausbrüche aus. Wildvögel geben inzwischen im
Gegensatz zu früher auch aggressivere Erreger an Nutzgeflügel weiter.
Dies ist nach Einschätzung des FLI eine neue Qualität. Die Forscher
sprechen von einem Ping-Pong-Effekt zwischen Wildvögeln und
Nutzgeflügel.

Dennoch sieht das FLI eine Impfung von Nutzgeflügel skeptisch. Eine
solche Impfung verdecke das Seuchengeschehen. 


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