Erreichbarkeit von Ärzten: Frust auf dem Land

20.11.2016 06:48

Viele Landärzte finden für ihre Praxis keinen Nachfolger. Um der
Entwicklung entgegenzuwirken, wurden Anreize für Landärzte
geschaffen. Doch das Stadt-Land-Gefälle bei Ärzten besteht weiter.

Berlin (dpa) - Bei der Versorgung mit Facharztpraxen besteht noch
immer eine Kluft zwischen Stadt und Land - obwohl es seit gut einem
Jahr mehr Anreize für eine Niederlassung in der Fläche gibt. Nach
einer Studie im Auftrag der gesetzlichen Krankenkasse Pronova-BKK
waren im vergangenen Jahr Patienten in Städten mit mehr als einer
halben Million Einwohnern im Schnitt keine 20 Minuten zum
Facharztbesuch unterwegs. In Gemeinden mit weniger als 5000
Einwohnern benötigten sie dagegen zehn Minuten mehr. Die
durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Klinik dauert demnach in
Großstädten knapp eine halbe Stunde und auf dem Land fast eine
Dreiviertelstunde.

Wie aus der aktuellen Studie «Gesundheitsversorgung 2016», die der
Nachrichtenagentur dpa vorliegt, weiter hervorgeht, benötigten mehr
als zwei Drittel der Deutschen im vergangenen Jahr eine fachärztliche
Behandlung. In Ballungszentren seien solche Praxen oft zu Fuß oder
mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. In ländlichen Gegenden
seien die weiten Strecken häufig nur mit einem Pkw zu bewältigen. Bei
einer Erkrankung könne aber das Autofahren ein kaum zu vertretendes
Risiko sein, hieß es. Dabei befürchte mehr als ein Viertel der
Bürger, dass sich die ärztliche Versorgung an ihrem Wohnort in
Zukunft noch verschlechtern werde.

Im Juli 2015 war das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz in
wesentlichen Teilen in Kraft getreten. Es soll Versorgungsengpässe
auf dem Land abfedern und zielt darauf ab, auch in Zukunft eine gut
erreichbare medizinische Versorgung der Patienten auf hohem Niveau
sicherzustellen. «Gute medizinische Versorgung darf auch in Zukunft
keine Frage des Wohnorts sein», erklärt Gesundheitsminister Hermann
Gröhe (CDU) dazu. «Gerade im ländlichen Raum sind verstärkte
Anstrengungen nötig, um eine gute Versorgung aufrechtzuerhalten.
Finanzielle Anreize sind dabei ein Baustein, wichtig ist aber auch,
die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass sich wieder mehr Ärzte
für den Landarztberuf entscheiden.»

Um auf dem Land solche Benachteiligungen zum umgehen, befürwortet
nach der Studie immerhin ein Viertel mobile Ärzte, die regelmäßig zu

bestimmten regionalen Behandlungszentren kommen, die für mehr Leute
besser erreichbar und planbar sind. Weitere 50 Prozent stehen einem
solchen Modell aufgeschlossen gegenüber, 19 Prozent sind skeptisch, 5
Prozent lehnen es komplett ab. Einer ärztlichen Online-Diagnose
stehen fast drei Viertel der Befragten skeptisch gegenüber (36
Prozent) oder lehnen sie ganz ab (26 Prozent). Über ein Modell des
mobilen Arztes, das Versorgungslücken auf dem Lande schließen soll,
wird auch bei den Kassen-Ärzten nachgedacht.