Ausländische Ärzte - erst Sprachtest, dann Zulassung Von Valentin Gensch, dpa
Ausländische Ärzte verlassen ihre Heimat, um in Deutschland zu
arbeiten, wo sie händeringend gesucht werden. Doch bevor die
Mediziner hierzulande in Kliniken und Praxen loslegen können, müssen
sie in einigen Bundesländern einen Sprachtest bestehen.
Freiburg (dpa) - Sie kommen aus Rumänien oder Griechenland, und
sie werden in Deutschland mit offenen Armen empfangen:
Jung-Mediziner, die ihre Heimat hinter sich lassen, um hierzulande
Versorgungslücken zu stopfen. Derzeit fehlen Tausende Ärzte in
Deutschland. Allein in Krankenhäusern, so schätzt die
Bundesärztekammer (BÄK), sind rund 6000 Medizinerstellen unbesetzt.
Ärzte aus dem Ausland wie Maria Aetou aus Griechenland freut das:
«Ich nutze den Ärztemangel in Deutschland aus.» In den nächsten sec
hs
Jahren wird die 24-Jährige in Freiburg zur Pneumologin ausgebildet.
In Griechenland hätte sie mehrere Jahre auf einen Ausbildungsplatz
zur Fachärztin für Lungenkrankheiten warten müssen. Und auch mit
Regen und Schnee in Deutschland kommt die junge Frau aus der
griechischen Küstenstadt Volos inzwischen zurecht.
Doch bevor Aetou eine Zulassung als Ärztin in Baden-Württemberg
bekommt, muss sie einen Sprachtest bestehen: die sogenannte
Patientenkommunikationsprüfung. Diese wurde 2011 am Uniklinikum
Freiburg ausgearbeitet und eingeführt.
Hintergrund war die Tatsache, dass Ärzte aus dem Ausland bis Mitte
2011 nur allgemeinsprachliche Kenntnisse des Niveaus B-2 vorweisen
mussten, um im Südwesten arbeiten zu dürfen. Zum Vergleich: In den
meisten Bundesländern reicht das B-2-Level für ein Germanistikstudium
aus.
«Die Kommunikation mit Patienten und Ärzten ist etwas komplett
anderes, als im Supermarkt einzukaufen», sagt Oliver Erens, Sprecher
der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Seit Jahren fordert er
höhere Hürden bei Sprachtests für Mediziner aus dem Ausland.
Lediglich in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen müssen
ausländische Mediziner zum normalen Sprachtest eine spezielle
Kommunikationsprüfung bestehen.
Im Juni sprachen sich die Ländergesundheitsminister für
einheitliche Sprachtests aus. Diese sollen für akademische Heilberufe
- also auch Zahnärzte, Apotheker und Psychotherapeuten - gelten.
Derzeit loten die Bundesländer Rahmenbedingungen aus, etwa die
Schwierigkeit der Prüfung. Läuft alles nach Plan, könnten Mitte 2014
bundesweit einheitliche Sprachtest zur Pflicht werden.
Die Freiburger Prüfung besteht im Wesentlichen aus einem
simulierten Gespräch zwischen dem Anwärter, einem (gespielten)
Patienten und einem fiktiven Oberarzt. «Ziel ist es, dass der Patient
den Arzt versteht und andersherum», erklärt Neurochirurg Nabeel
Farhan, der die Patientenkommunikationsprüfung mitentwickelt hat.
Zudem müsse ein Arzt in der Lage sein, einem Kollegen eine
Zusammenfassung des Patientengesprächs zu liefern. «Häufig kommen
entscheidende Details nicht beim Oberarzt an. Dann kann es zu
Behandlungsfehlern kommen.»
Gespielt wird eine Situation, wie sie täglich tausendfach in
Krankenhäuser vorkommt: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte des
Patienten und stellt diese dem Oberarzt vor. In einem Fachgespräch
unter Kollegen wird dann etwa die Medikation besprochen. Die
Schwierigkeit: Einerseits müssen die Prüflinge in einfach
verständlicher Sprache mit dem Patienten sprechen können,
andererseits kurz darauf in Fachsprache mit dem Oberarzt.
Die in Freiburg entwickelte Kommunikationsprüfung wird inzwischen
an Kliniken in acht Bundesländern anerkannt und kann derzeit an vier
Unikliniken in Baden-Württemberg sowie in Frankfurt am Main, Mainz
und Jena absolviert werden. Läuft alles nach Plan, könnten sich mit
der Einführung der bundesweit einheitlichen Sprachtests mindestens
neun weitere Unikliniken dem Freiburger Modell anschließen.
Vier Wochen lang besucht Maria Aetou einen speziellen Sprachkurs
am Freiburger Goethe-Institut, der sie auf den Kommunikationstest
vorbereiten soll. «Kittel», «Faden» oder «Skalpell» hat sich di
e
Griechin in ihr Vokabelheft geschrieben. Bis zur Prüfung heißt es
auch Grammatik büffeln. Besteht Aetou den Test, steht ihrer Zukunft
als Ärztin in Baden-Württemberg nichts mehr im Wege. An das Wetter
hat sich die sonnenverwöhnte Griechin ja bereits gewöhnt.
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