Weiter keine Gesprächspsychotherapie auf Kassenkosten
Nur bei Patienten mit Depressionen Erfolge belegt
Gesprächspsychotherapie wird ungeachtet massiver Forderungen von Therapeuten weiterhin nicht auf Kassenkosten angeboten. Das beschloss der gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Die Experten hätten sich «sehr intensiv mit allen verfügbaren Studien auseinander gesetzt», versicherte der Ausschuss-Vorsitzende Rainer Hess am Mittwoch in Berlin.
Nur für Patienten mit Depressionen gebe es einen Beleg, dass Gesprächspsychotherapie genauso gut helfe, wie derzeit auf Kassenkosten verfügbare Verfahren. Eine breite Versorgungsrelevanz sei jedoch Voraussetzung für die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen, sagte Hess. Das Gesundheitsministerium muss dem Beschluss noch zustimmen.
Die Gesprächspsychotherapie ist ein eigenständiges psychologisches Verfahren wie etwa die analytische Psychotherapie oder die Verhaltenstherapie und wurde vor mehr als 60 Jahren in den USA begründet. Der Klient bestimmt die Gesprächsinhalte, der Therapeut geht darauf ein. Psychische und psychosomatische Störungen sollen geheilt werden.
Im März hatten rund 130 Wissenschaftler und Vertreter verschiedener Psychotherapieverfahren in einer «Bonner Erklärung» eine Verengung der Psychotherapie kritisiert: Sinnverstehende, einem humanistischen Menschenbild verpflichtete psychotherapeutische Traditionen «sollen inhaltlich, politisch und ökonomisch verdrängt und ausgegrenzt werden».

