Hausarztmodell: Der Lotse im Gesundheitswesen
Wer immer zuerst zum Hausarzt geht, zahlt weniger
Die gesetzlich Krankenversicherten haben freie Arztwahl, es gibt keine Verpflichtung, zunächst einen Hausarzt aufzusuchen. Die Krankenkassen sind allerdings verpflichtet, ihren Versicherten im Rahmen von Hausarztmodellen auch spezielle Hausarzttarife anzubieten. Wer sich in ein Hausarztmodell einschreibt oder einen entsprechenden Tarif wählt, verpflichtet sich, im Krankheitsfall immer zuerst zum Hausarzt zu gehen. Im Gegenzug kann die Krankenkasse ihre Versicherten von Zuzahlungen oder Praxisgebühren befreien, ihnen einen anderen Bonus gewähren oder ihnen - beim Hausarzttarif - Geld zurück erstatten. Die Teilnahme an den Hausarztmodellen ist für Versicherte und Ärzte freiwillig.
Seit 2004 sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, neben der normalen hausärztlichen Versorgung ihren Versicherten eine qualitativ besonders hoch stehende hausärztliche Versorgung anzubieten. Patienten können sich im Rahmen dieses Hausarztsystems für einen Hausarzt als ständigen Partner entscheiden, den sie regelmäßig zuerst konsultieren. Teilnehmer an diesem Programm erhalten bei ihrer Krankenkasse einen speziellen Wahltarif.
Der ausgewählte Hausarzt muss bestimmte Qualifikationen nachweisen, z.B. die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Er soll den Überblick über die gesamte Behandlung des Patienten behalten, ihn beraten und mit ihm gemeinsam die Therapiemöglichkeiten bewerten. Fachärzte sucht der Patient nur auf Überweisung des Hausarztes auf. Dadurch soll der Behandlungsablauf sinnvoll gestaltet werden. Der Hausarzt dient als „Lotse im Gesundheitssystem“.
Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge haben sich die in das Hausarztmodell gesetzten Erwartungen allerdings kaum erfüllt. So sei die Zahl der Facharztbesuche der beteiligten Patienten nicht wie gedacht deutlich gesunken. Sie sei sogar gestiegen, teilte die Bertelsmann Stiftung im Januar 2008 in Gütersloh unter Bezug auf eine eigene repräsentative Befragung mit.
Den Angaben zufolge suchten die Teilnehmer am Hausarztmodell innerhalb von zwölf Monaten in den Jahren 2003/2004 durchschnittlich 1,9 Mal einen Facharzt auf, 2006/2007 dann 2,5 Mal. Bei den Patienten, die sich nicht an dem von den Krankenkassen angebotenen Modell beteiligten, gab es einen geringeren Anstieg von durchschnittlich 2,0 auf 2,1 Facharztbesuchen innerhalb von zwölf Monaten. Für die Umfrage wurden zwischen Oktober 2004 und April 2007 die Antworten von 9000 Menschen aus sechs Befragungswellen ausgewertet.
Die Teilnahme an einem Hausarztmodell ist freiwillig. Wer sich dafür entscheidet, verpflichtet sich gegenüber der Krankenkasse, im Krankheitsfall immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Die Versicherten sind an die Wahl des Hausarztes mindestens ein Jahr gebunden. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei einem stark gestörten Vertrauensverhältnis, ist ein Wechsel jedoch möglich.
Für die Teilnahme am Hausarztsystem können die Krankenkassen ihren Versicherten einen Bonus gewähren. Dieser kann in Form einer Erstattung der Praxisgebühr, der Befreiung von Zuzahlungen, einer Sachprämie, einer Geldprämie oder einer Beitragssatzsenkung gewährt werden. In unserer Datenbank findet Sie geordnet nach der Art der Prämiengewährung eine Übersicht der Krankenkassen, die ein Hausarztmodell anbieten.
Weitere Informationen:
- Mit unserem Krankenkassen-Rechner finden Sie Wahltarife mit Hausarztverpflichtung.

