Vorsorge in den Ferien: Nicht alle Kassen machen mit
Einige Kassen fördern nur im Ausnahmefall
Das Angebot klingt verlockend: Wellnessbereich mit Pool, Sauna und Dampfbad, Sportplätze, Fitnessraum, und als Schlafstätte ein Vier-Sterne Hotel am Starnberger See. Doch das Beste ist der Preis. Nur 89 Euro sollen vier Tage mit Halbpension kosten, wenn sie über den Spezialanbieter „Akon“ gebucht werden. Die Firma hat sich auf Gesundheitsreisen spezialisiert: preiswerte Kurzurlaube, bei denen die Gäste nicht nur entspannen, sondern auch etwas für ihre Gesundheit tun.
Möglich werden derart günstige Angebote durch einen Zuschuss der Krankenkasse. Denn seit dem Jahr 2000 gehören „Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen“ wieder zum Aufgabenbereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Einige Jahre zuvor noch war das der Politik zu teuer. Die Programme fielen der Gesundheitsreform 1997 zum Opfer. Seit der Wiedereinführung in §20 des fünften Sozialgesetzbuches kommen die Krankenkassen aber mit neuen Angeboten auf den Markt.
Ziel der „primären Prävention“ ist es, eine gesündere Lebensweise in der Gesellschaft zu fördern. Hilfen für Benachteiligte sind ein Schwerpunkt: Menschen, die wegen ihres geringen Einkommens oder schlicht aus Unwissenheit ungesund leben, sollen Alternativen aufgezeigt werden.
Gesundheitskurse - auch am Ferienort
Die gesetzlichen Krankenkassen sollen einen bestimmten Betrag in Programme zur Gesundheitsvorsorge zu stecken. Im Jahr 2006 waren es 2,74 Euro je Beitragszahler. Der Großteil dieses Geldes wird für Gesundheitskurse ausgegeben, die Versicherte an ihrem Heimatort besuchen. Viele Kassen stellen aber auch Komplettangebote zusammen, bei denen der Versicherte Urlaub und Präventionskurse verbinden kann.
Die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung bezahlt die Kasse zwar nicht, doch fällt deren Anteil bei vielen Angeboten erstaunlich niedrig aus. So bietet die DAK ihren Versicherten eine Woche im 4-Sterne Hotel in Marienbad (Tschechien) an, für gerade einmal 229 Euro Zuzahlung. Im Preis enthalten sind Halbpension, Ernährungsberatung, Nordic-Walking, Rückentraining, Teilmassage, Gasbad, Mineralbad und Schwimmbadnutzung.
Solche Komplettangebote gibt es nicht bei allen Krankenkassen. In vielen Fällen ist es dafür möglich, Präventionskurse am Urlaubsort über die Krankenkasse abzurechnen. Dahinter steht die Hoffnung, mehr Menschen für einen gesunden Lebensstil zu gewinnen. „Die von Krankenkassen unterstützten Gesundheitsreisen überzeugen viele Menschen mehr als beispielsweise ein Nordic-Walking-Kurs in der Nachbarschaft“, heißt es bei der BKK Taunus.
Nicht alle Krankenkassen machen mit
Beim Bundesverband IKK, der im System der gesetzlichen Krankenkassen für den Bereich Prävention zuständig ist, sieht man das Thema lieber etwas nüchterner. „Wir wollen die Prävention stärken und achten in erster Linie darauf, dass die Qualität der Angebote stimmt“, sagt Sprecher Joachim Odenbach. Bei der AOK Rheinland-Pfalz reagiert man geradezu gereizt auf das Wort „Reise“. Das gehöre „nicht zum gesetzlichen Auftrag einer gesetzlichen Krankenversicherung“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage von krankenkassen.de. Ohnehin sei es besser, wenn die Versicherten Vorsorgekurse am Wohnort besuchen. Auf keinen Fall dürfe der Eindruck entstehen, eine Krankenkasse finanziere die Reise.
Tatsächlich soll Gesundheitsprävention nur in Ausnahmefällen mit Urlaub kombiniert werden. Zum Beispiel sollen Arbeitnehmer, die wegen ihres Schichtdienstes nicht an Kursen an ihrem Heimatort teilnehmen können, im Urlaub etwas für ihre Gesundheit tun. Der „Leitfaden Prävention“, auf den sich alle gesetzlichen Krankenkassen geeinigt haben, ist in diesem Punkt eindeutig. Nur „für besondere Zielgruppen, die nicht an regelmäßigen Kursangeboten teilnehmen können“, sollen kompakte Seminare angeboten werden.
Auf den Internetseiten von Spezialanbietern wie "Akon" oder "Dr. Holiday" ist davon wenig zu spüren. Und auch manche Krankenkasse wirbt mit komfortablen Hotels in schönen Regionen. Die Kaufmännische Krankenkasse KKH zum Beispiel arbeit mit der TUI zusammen und bietet ihren Versicherten Vergünstigungen für viele Angebote aus dem „TUI-Vital“-Katalog an. Damit ist dann auch ein Wellnessurlaub auf Mallorca möglich.
Weiterführende Information:
- Alternative zum Gesundheitsurlaub: Vorsorgekurse am Heimatort, die von der Krankenkasse bezahlt werden
- Krankenkassen, die ihren Versicherten Präventionskurse zahlen, finden Sie mit unserem Krankenkassen-Rechner
- Gesetzliche Grundlage der Prävention, § 20 SGB V
- Präventionsbericht 2007
- Umfangreiche Informationen und Tipps zur Gesundheitsvorsorge im Ausland bietet die Webseite www.europa-mobil.de



