Hausarztmodell weitgehend wirkungslos?
Repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung
Einer Umfrage zufolge ist der Hausarzt nicht wie beabsichtigt zum Lotsen im Gesundheitssystem geworden. Die Zahl der Facharztbesuche der am sogenannten Hausarztmodell beteiligten Patienten habe sich nicht wie gedacht deutlich reduziert. Sie sei sogar gestiegen, teilte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag in Gütersloh unter Bezug auf eine eigene repräsentative Befragung mit.
Das seit vier Jahren in Deutschland existierende Hausarztmodell sieht vor, dass Patienten immer zuerst zum Hausarzt gehen, bevor ein Facharzt konsultiert wird.
Den Angaben zufolge suchten die Teilnehmer am Hausarztmodell innerhalb von zwölf Monaten in den Jahren 2003/2004 durchschnittlich 1,9 Mal einen Facharzt auf, 2006/2007 dann 2,5 Mal. Bei den Patienten, die sich nicht an dem von den Krankenkassen angebotenen Modell beteiligten, gab es einen geringeren Anstieg von durchschnittlich 2,0 auf 2,1 Facharztbesuchen innerhalb von zwölf Monaten.
Aus der Umfrage gehe zudem hervor, dass sich die Hausarztmodell- Patienten auch nicht besser versorgt fühlten. So sei die Zahl derjenigen, die von einem verbesserten Gesundheitszustand berichteten, durchweg geringer ausgefallen, als bei Patienten ohne Modellbeteiligung. «Hausarztmodelle in ihrer bisherigen Ausgestaltung bieten für die Patienten keine bessere medizinische Versorgung», schlussfolgerte die Bertelsmann Stiftung aus den Umfrageergebnissen.
Sie forderte, die Vertragsgestaltung zu ändern und für Hausärzte mehr Anreize zur Behandlungsverbesserung zu schaffen. So sollte ihnen etwa ein systematischer Überblick über die Qualität im Facharztbereich an die Hand gegeben werden.
Die Umfrage ist Teil des Gesundheitsmonitors der Stiftung, in dessen Rahmen zwischen Oktober 2004 und April 2007 in sechs Befragungswellen Antworten von 9000 Menschen ausgewertet wurden.

