Dosis kräftig erhöht - Streit um 350 000-Euro-Gehalt für Ärztechef Von Basil Wegener, dpa
29.01.2012 15:27
Ist das angemessen? Eine deutliche Gehaltserhöhung von Deutschlands
obersten Kassenärzten sorgt für Aufregung. Doch auch in den Ländern
kann der Job als Spitzenfunktionär der Mediziner recht lukrativ sein.
Berlin (dpa) - 350 000 Euro pro Jahr bekommt der oberste Vertreter
von Deutschlands Kassenärzten. Trotz Druck der Bundesregierung will
die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ihren Vorsitzenden
Andreas Köhler auch künftig nicht schlechter bezahlen. Auch regionale
Spitzenvertreter der Ärzte sehen sich mit ihren üppigen Zulagen im
Recht. «Die Vertreter müssen aufpassen, dass nicht das Bild des
raffgierigen Funktionärs entsteht», sagt die
Grünen-Gesundheitsexpertin Birgitt Bender.
Es war im vergangenen April. Köhler und sein Vize Carl-Heinz
Müller waren gerade erst für weitere sechs Jahre in ihren Ämtern
bestätigt worden. Da sickerte durch, dass der Chef des
Ärzteparlaments, also der Vertreterversammlung, Hans-Jochen Weidhaas,
und ein zuständiger Ausschuss hinter verschlossener Türe mit Köhler
über dessen Gehalt verhandelt hatten - Köhler erreichte ein Plus von
35 Prozent.
Das sind 90 000 Euro mehr als zuvor. Der inzwischen aus anderen
Gründen zurückgetretene Müller konnte sich um 40 000 auf 300 000 Euro
verbessern. Seither fordert Grünen-Politikerin Bender das
Gesundheitsministerium zum Einschreiten auf. Öffentlich reagierte man
im Ressort von Daniel Bahr (FDP) nicht, doch in drei Gesprächen
versuchte man, die Ärzte zum Einlenken zu bringen - ohne Erfolg.
Abermals hinter verschlossener Tür schmetterten die Ärzte nun eine
Begrenzung der Spitzengehälter ab, wie Weidhaas der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» bestätigte.
Im Hause Bahr herrscht dem Vernehmen nach Kopfschütteln. Das
Verfahren laufe, sagt ein Sprecher. «Das Ministerium lässt sich von
den Ärzten auf der Nase herumtanzen», meint dagegen Bender. «Es muss
handeln.» Die Verhältnismäßigkeit sei angesichts eines geringeren
Gehalts etwa der Bundeskanzlerin nicht gewahrt - das Haus an der
Berliner Friedrichstraße habe alles Recht, dies zu beanstanden. Aufs
Niveau vergleichbarer Posten beim Verband der Krankenkassen von bis
zu 230 000 Euro will man sich bei der KBV aber keinesfalls drücken
lassen. Notfalls lasse man es auf einen Rechtsstreit ankommen, ist zu
hören.
Zwar sind die Spitzengehälter in der freien Wirtschaft weit höher
- und Köhler soll auch wiederholt Angebote erhalten haben. Bender
meint aber, in einer Körperschaft des öffentliches Rechts im
Gesundheitswesen müssten die Gehälter im Verhältnis zum Verdienst der
Versicherten stehen.
Hinter dem Streit steckt auch die Sorge der Landesfürsten der
Ärzteschaft, auch ihnen könnte es ans Geld gehen, wenn es ganz oben
weniger wird. Auch bei den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen
(KVen) sind Bezüge von weit über 200 000 keine Seltenheit.
In den Reihen der normalen Ärzte wächst der Unmut über die Chefs -
nicht nur im Bund. So gibt es in Berlin Streit über Übergangsgelder
für die drei dortigen KV-Vorstände von jeweils rund 183 000 Euro. Die
zwei Männer und eine Frau hatten im Frühjahr vergangenen Jahres das
Geld als Hilfe für ihre eigenen Praxen bekommen, wenn sie aus ihrem
Amt ausscheiden - obwohl alle drei für weitere sechs Jahre
wiedergewählt wurden.
# dpa-Notizblock
## Berichtigung
- Im zweiten Satz des dritten Absatzes wurde «Müller konnte sich von
40 000 auf 300 000 Euro verbessern» durch «Müller konnte sich um 40
000 auf 300 000 Euro verbessern» ersetzt.
## Internet
- [FAZ-Artikel](http://dpaq.de/m6HSa)
- [Vita Köhler](http://dpaq.de/XSJcU)
- [Unmut bei Ärzten über Köhlers Gehalt](http://dpaq.de/rhQYH)
- [Regeln zum Gehalt der Bundesminister](http://dpaq.de/qMgdN)
## Orte
- [KBV](Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin)
- [Bundesgesundheitsministerium](Friedrichstraße 108, 10117 Berlin)






























