Gesetzliche Krankenkassen – Tarifvergleich
Private Krankenversicherung

150 000 Privatversicherte zahlen nicht - Neuer Tarif?

29.01.2012 13:46

Immer mehr Privatversicherte bleiben ihre Beiträge schuldig - und
tragen damit zu den jüngsten Beitragsanhebungen bei. Abhilfe schaffen
sollen Nichtzahler-Tarife mit geringen Leistungen.

Berlin (dpa) - Rund 150 000 Nichtzahler reißen bei den privaten
Krankenkassen nach Branchenangaben ein Finanzloch von mehr als einer
halben Milliarde Euro auf. Loswerden können die zuletzt teils
deutlich teurer gewordenen Versicherer die säumigen Kunden nicht.
Eine gesetzliche Regelung soll nun den Weg für einen
Nichtzahler-Tarif mit geringem Leistungsumfang freimachen.

«Es gab Ende September 2011 insgesamt 144 000 Nichtzahler in der
Privaten Krankenversicherung», sagte ein Sprecher des Verbands der
Privaten Krankenversicherung (PKV), der Zeitung «Die Welt» (Samstag).
Debeka-Chef Uwe Laue hatte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa
gesagt, es gebe bei der PKV bereits rund 150 000 Menschen, die ihre
Beiträge nicht zahlten. «Die Beitragsschuld liegt mittlerweile bei
550 Millionen Euro», sagte Laue.

Die Bundesregierung erwägt, den Weg für «Nichtzahler-Tarife»
freizumachen, wie in Regierungskreisen bestätigt wurde. Laut «Welt»
soll der rund 100 Euro im Monat kosten und nur noch akute Krankheiten
oder Schwangerschaften abdecken. Zunächst sollten säumige Versicherte
zweimal gemahnt werden, bevor ihr bisheriger Tarif automatisch in
einen Ruhezustand versetzt werde. Dafür nötige Änderungen seien im
Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium schon weit gediehen. Im
federführenden Finanzressort war am Sonntag dazu keine Bestätigung zu
erhalten.

Wie aus PKV-Angaben des vergangenen Jahres hervorging, war die
Gruppe der Nichtzahler bereits im November 2010 größer als der
Nettoneuzugang an Mitgliedern. Damals hatten 88 500 Versicherte
mindestens sechs Monate lang keine Beiträge gezahlt.

Das Problem mit den Nichtzahlern gibt es, seit unter der damaligen
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) 2009 die
Versicherungspflicht eingeführt wurde. Die PKV kann diese Mitglieder
seither nicht einfach rauswerfen. Die Probleme sind laut
Branchenkennern aber teils auch hausgemacht. Manche Versicherer
locken Kunden mit besonders günstigen Tarifen an, die sich eine PKV
ansonsten gar nicht hätten leisten können und bei
Beitragssteigerungen leicht überfordert werden.

Durch die Neuregelung sollten der Anstieg der Beitragsrückstände
abgemildert und die Versichertengemeinschaft entlastet werden, sagte
Wiltrud Pekarek, Vorstandsmitglied der Halleschen
Krankenversicherung, der «Welt». PKV-Verbandschef Reinhold Schulte
hatte der «Ärzte Zeitung» bereits im Dezember gesagt, der Verband
verhandele mit der Bundesregierung: «Wir sind auf dem Weg der
Einigung.»

Große gesetzliche Kassen wie die Barmer GEK oder die Techniker
Krankenkasse zählten im vergangenen Jahr zudem mehr Zuwanderer von
der PKV als Abwanderer in die umgekehrte Richtung. Teils massive
Beitragssprünge von 40 bis 60 Prozent brachten den Privatkassen zum
Jahresende Negativschlagzeilen. 8,95 Millionen Menschen haben eine
private Vollkrankenversicherung. Die bei den Unternehmen eingezahlten
Altersrückstellungen belaufen sich auf rund 158 Milliarden Euro.

# dpa-Notizblock

## Internet
- [«Welt»-Artikel zu Beitragsprellern](http://dpaq.de/RvzGx)
- [«Ärztezeitung» zu diesem Thema](http://dpaq.de/TaAOO)
- [Stiftung Warentest zu PKV-GKV](http://dpaq.de/8pqe5)
- [Artikel über Wechsler](http://dpaq.de/3IQbG)
- [PKV-Jahresbericht](http://dpaq.de/Rd5Zg)
- [Bund der Versicherten zu Beitragsplus](http://dpaq.de/VhQ1A)
- [Verbraucherzentrale zu Beitragsplus](http://dpaq.de/RZuKo)
- [Verbraucherportal WIDGE.de dazu](http://dpaq.de/nVqId)
- [Bericht über die Vermittlerbranche](http://dpaq.de/flFZY)

## Orte
- [PKV-Verband](Friedrichstraße 191, 10117 Berlin)
- [Debeka](Ferdinand-Sauerbruch-Straße 18, 56058 Koblenz)



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