Kampf dem Mundgeruch - Junge deutsche Forscher in die USA Von Paul Winterer, dpa
27.01.2012 16:19
Neun junge Tüftler aus Deutschland haben es geschafft: Sie dürfen an
einer Olympiade der Nachwuchsforscher in den USA teilnehmen. Dort
präsentieren sie zum Beispiel ein Zaubermittel gegen Mundgeruch.
Feldkirchen (dpa) - Sie helfen Karpfen-Teichwirten, sorgen auch
bei wärmegedämmten Fenstergläsern für einen guten Handyempfang und
sagen Mundgeruch den Kampf an. Mit solchen Projekten haben es
Teilnehmer des Wettbewerbs «Jugend forscht» aufs Siegertreppchen
geschafft und streben nun zu internationalem Ruhm. Neun
Nachwuchsforscher aus Deutschland nehmen vom 13. bis 18. Mai in
Pittsburgh in den USA an der Olympiade der Nachwuchsforscher teil -
der International Science and Engineering Fair (ISEF). Am Freitag
stellten sie in Feldkirchen bei München ihre Projekte vor.
«Angefangen hat alles mit einer Knoblauchzehe», sagt Nicolas
Scheidig. Der 17-Jährige experimentierte mit seinen Mitschülern vom
Hanns-Seidel-Gymnasium im unterfränkischen Hösbach an den
Verursachern von Mundgeruch. Dabei fanden er und der gleichaltrige
Gabriel Salg heraus, dass sogenannte Cyclodextrine - hergestellt aus
Stärke - wahre Geruchskiller sind. «Wir ließen sogar beim Zahnarzt
unseren eigenen Mundgeruch in seine chemischen Bestandteile zerlegen,
um weitere Experimente machen zu können», erinnert sich Salg.
Das Ergebnis ihres Forscherdrangs heißt 6 C42H70O35. Hinter diesem
Gewirr aus Ziffern und Buchstaben verbirgt sich die neue Zauberformel
gegen Mundgeruch. Nach einer Spülung mit der wässrigen
Cyclodextrin-Lösung verschwindet Mundgeruch, ja sogar lästiger
Knoblauchgestank löst sich in Wohlgefallen auf. Ihre Errungenschaft
hat den beiden Jugendlichen den Preis der Bundeskanzlerin für die
originellste Arbeit bei «Jugend forscht» eingebracht.
Fabian Scherer aus dem mittelfränkischen Höchstadt a. d. Aisch
interessiert der Sauerstoffgehalt in Karpfenteichen. Den Anstoß gab
sein Betreuungslehrer, dessen Vater Teichwirt ist. Ein zu niedriger
Sauerstoffgehalt im Wasser schadet den Fischen. Der 18-Jährige
entwickelte ein Computerprogramm, mit dem sich die täglichen
Schwankungen simulieren lassen. «Vor allem Teichwirte im Nebenerwerb,
die sich nicht dauernd um den Sauerstoffgehalt ihrer Teiche kümmern
können, profitieren davon», erläutert Scherer.
Mit einfachen Mitteln einen Strahlenzähler zu konstruieren, der
noch dazu preiswert ist - dieser Herausforderung stellte sich Lucas
Jürgens (16) aus Hermannsburg in Niedersachsen. Sein Detektor, in der
Fachsprache Vielkanal-Analysator genannt, kann im Gegensatz zu einem
gewöhnlichen Geigerzähler unterschiedliche radioaktive Stoffe wie
etwa Caesium-137 oder Kobalt-60 voneinander unterscheiden.
Linn Bieske aus dem thüringischen Ilmenau hat sich mit
Beschichtungen von Wärmedämmgläsern beschäftigt. Sie helfen zwar
Heizkosten sparen, behindern aber mitunter den Handyempfang. «Immer
wenn ich mich über schlechten Handy- oder WLAN-Empfang ärgerte,
überlegte ich, wie dem Problem beizukommen sei», erklärt die
18-Jährige. Millimeterbreite Schlitze in der hauchdünnen Beschichtung
lassen die Funkwellen durch, ohne die Wärmedämmung zu vermindern.
An der Wissenschaftsmesse für Jugendliche nehmen nach Angaben des
Chip-Herstellers Intel rund 1500 Schüler und Studenten aus 65 Ländern
teil. Es werden mehrere Millionen Dollar Preisgelder und lukrative
Stipendien vergeben. Intel, in dessen Deutschlandzentrale die
Präsentation am Freitag stattfand, fördert mit mehreren Projekten den
Forscherdrang von Schülern und Studenten.
# dpa-Notizblock
## Internet
- [Informationen zur ISEF] (http://dpaq.de/ovMgc)
## Orte
- [Veranstaltungsort](Intel, Dornacher Straße 1, 85622 Feldkirchen)






























