Gesetzliche Krankenkassen – Tarifvergleich
Private Krankenversicherung

Debeka-Chef: Private Versicherer nicht in Sippenhaft nehmen Gespräch: Christian Schultz, dpa

27.01.2012 08:02

Koblenz (dpa) - Stark steigende Beiträge bei einzelnen privaten
Krankenversicherungen sind nach Ansicht des Branchenführers Debeka
kein Problem der ganzen Branche. «Es ist Unsinn, dass das
Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung nicht mehr
funktioniert», sagte der Vorstandsvorsitzende Uwe Laue der
Nachrichtenagentur dpa in Koblenz. Seiner Meinung nach funktioniert
es sogar besser als die gesetzliche Krankenversicherung. Das
Unternehmen ist mit rund 2,2 Millionen Versicherten nach eigenen
Angaben Deutschlands größte private Krankenversicherung.

Bei der Debeka habe die Steigerung der Beiträge zwischen 2000 und
2012 pro Jahr im Durchschnitt 3,2 Prozent betragen. Einige
Konkurrenten hätten indes mit Billigtarifen gearbeitet. «Da war der
Wunsch nach Wachstum einfach zu groß», meinte Laue. Wenn Beiträge
jedoch sehr niedrig seien, komme es auch zu hohen prozentualen
Steigerungen. «Dafür dürfen aber nicht alle privaten
Krankenversicherungen in Sippenhaft genommen werden. Der Großteil der
Anbieter arbeitet sehr seriös und vor allem nachhaltig.»

Im Gegensatz zur Debeka hätten einige Anbieter privater
Krankenversicherungen mit einer großen Zahl von Kunden zu kämpfen,
die ihre Beiträge nicht zahlen. Die Verträge mit solchen säumigen
Zahlern dürfen nach Angaben des Managers seit dem Jahr 2009 aber
nicht mehr gekündigt werden. Bundesweit gebe es bei den privaten
Krankenversicherungen daher rund 150 000 Menschen, die ihre Beiträge
nicht zahlten. «Die Beitragsschuld liegt mittlerweile bei 550
Millionen Euro», sagte Laue. Trotzdem müsse für diese Kunden bei
Bedarf eine Notfallversorgung von der Versicherung bezahlt werden.

Kritisch sieht der Debeka-Chef die Haltung der Politik bei der
Gesundheitsreform: «Die Bundesregierung ist sich nicht ganz einig,
was sie will.» Die schwarz-gelbe Koalition habe das Jahr 2011 zum
«Jahr der Pflege» ausgerufen. Doch dann sei - auch wegen der
Finanzkrise - wenig geschehen. «Wir müssen aber wissen, wo der Staat
hin will, und schauen, ob unsere Tarife weiter gelten können.»
Entscheidend sei etwa, wie der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff
aussehe.

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