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Steinmeier wartet auf Ehefrau - Aus Klinik entlassen Von Joachim Schucht, dpa

02.09.2010 15:37

Berlin (dpa) - Am Donnerstagmittag war es nach einem letzten
ärztlichen Check soweit: Neun Tage nach seiner Nierenspende konnte
Frank-Walter Steinmeier die Klinik verlassen.

Jetzt will der 54-jährige SPD-Fraktionschef in seinem Haus im
Berliner Süden warten, bis auch seine Frau aus dem Krankenhaus kommt.
Die 48-jährige Richterin muss aber noch mindestens eine Woche
stationär behandelt werden, eventuell auch noch länger. Beide wollen
anschließend gemeinsam eine Reha antreten.

Steinmeier war am Dienstag vergangener Woche eine Niere entfernt
worden. Das Organ wurde anschließend seiner schwer kranken Frau Elke
Büdenbender transplantiert. Die Eingriffe verliefen ohne
Komplikationen. Beiden gehe es gut, hieß es am Donnerstag. Steinmeier
will frühestens im Oktober seine politische Arbeit wieder aufnehmen.

Trotz der angekündigten Auszeit wollte Steinmeier aber nicht ganz
von der Politik lassen. Schon aus dem Krankenhaus verschickte er
Kurznachrichten und telefonierte etwa mit seinem Vertreter an der
Fraktionsspitze, Joachim Poß. SPD-Chef Sigmar Gabriel besuchte
Steinmeier Anfang der Woche am Krankenbett.

Fast täglich wurden aus Steinmeiers Büro im Reichstag neben
einigen Akten auch Blumensträuße und Genesungswünsche aus aller Welt

in die Klinik gebracht. Viele alte Bekannte aus Steinmeiers Zeit im
Auswärtigen Amt, wie der russische und französische Außenminister,
schrieben persönliche Briefe.

Der SPD-Politiker steht auch in den nächsten Tagen unter ständiger
ärztlicher Überwachung. Er kann aber sofort etwa radfahren, schwimmen
oder laufen. Auf ruckartige Bewegungen oder Streckungen wie beim
Gewichtheben solle aber zunächst verzichtet werden, empfiehlt der
chirurgische Leiter für Nierentransplantation und Lebendnierenspende
des Uni-Klinikums München, Manfred Stangl. Und: «Nach einer
Nierenspende sollte der Spender besonders darauf achten, dass er bis
zu zwei Liter am Tag trinkt.»

Nach Stangls Angaben ist die Entnahme einer Niere inzwischen
weniger riskant als eine Blinddarm- oder Leistenoperation. Empfängern
und Spendern rät er auf alle Fälle zu einer gründlichen Reha, die
aber leider von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt werde. Stangl
freut sich darüber, dass der SPD-Politiker der erste prominente
Nierenspender in Deutschland sei. Der Arzt hofft, dass dieses
Beispiel Schule macht und vielen Paaren die Angst vor einem solchen
Eingriff nimmt.

Nach Steinmeiers Entscheidung hat zumindest das Interesse an
Organspenden deutlich zugenommen. Die Zahl der telefonischen Anfragen
habe sich seitdem fast vervierfacht, erklärte die Deutsche Stiftung
für Organtransplantation in Frankfurt am Main. Täglich seien bis zu
200 Anrufe eingegangen. Die Wartezeiten für eine Niere beträgt in
Deutschland bis zu sechs Jahre. Steinmeier selbst trägt seit seinen
Studententagen einen Organspenderausweis bei sich. Damals war dem
Juristen eine Augen-Hornhaut transplantiert worden.

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