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Private Krankenversicherung

Krankenkassen wollen Pflege-TÜV verbessern Von Tim Braune, dpa

02.09.2010 15:36

Geht es den Eltern oder dem Partner im Pflegeheim gut? Millionen
stellen sich diese Frage. Seit einem Jahr gibt es den Pflege-TÜV.
Kritiker sagen, die Noten seien zu gut. Das System soll nun
überarbeitet werden.

   Berlin (dpa) - Die Krankenkassen wollen nach Expertenkritik den
vor einem Jahr eingeführten Pflege-TÜV verbessern. So sollen
Altenheime, die zum Beispiel schlecht beim Wundliegen oder der
Ernährung von Patienten abschneiden, keine guten Gesamtnoten mehr
bekommen können.

Das überarbeitete Schulnotensystem von 1 bis 5 könnte zum 1.
Januar 2011 starten. Experten und Patientenschützer fordern schon
länger Korrekturen. Sie kritisieren, der Pflege-TÜV liefere nur
«Kuschelnoten». Mängel in den Heimen blieben oft unentdeckt.

Das Bundesgesundheitsministerium forderte Kassen und
Pflegeanbieter am Donnerstag auf, bei den notwendigen Veränderungen
zügig zu einer guten Lösung zu kommen. Grundsätzlich hat sich nach
Einschätzung der Kassen die öffentliche Benotung aber bewährt.

«Schon über 17 Millionen Mal haben Ratsuchende im Internet den
Pflegelotsen genutzt», sagte der Vorstandschef des Verbands der
Ersatzkassen, Thomas Ballast, in Berlin. Zum Verband gehören DAK,
Barmer und Techniker Krankenkasse.

Bisher können im Netz aber erst die Bewertungen von 8500 der
bundesweit 23 000 ambulanten und stationären Pflegedienste angeklickt
werden. Der Notendurchschnitt liegt in der stationären Pflege bei 1,9
und im ambulanten Bereich bei 2,1.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hält das für Augenwischerei: «Die
Traumnoten, die das Prüfsystem wie am Fließband produziert, haben mit
der Realität nichts zu tun», sagte Eugen Brysch von der
Patientenschutzorganisation.

Rund 40 Prozent aller Heime erhielten die Note Fünf bei der
Vorbeugung schmerzhafter Druckliege-Geschwüre. Der Pflege-TÜV, der
die Versicherten jährlich etwa 100 Millionen Euro koste, müsse
dringend überarbeitet werden.

Auch die Pflege-Expertin der Linkspartei im Bundestag, Kathrin
Senger-Schäfer, kritisierte: «Die Gesamtnoten der Prüfberichte
zeichnen ein unklares Bild der Qualität von Pflegeeinrichtungen.»

Die Kassen, deren medizinischer Dienst die Kontrollen durchführt,
räumen Probleme ein. Im Großen und Ganzen könne man mit der Qualitä
t
in der Pflege zwar zufrieden sein. Es gebe aber viele Heime, die
trotz guter Gesamtnote bei einzelnen Kriterien eine Fünf kassierten.

Die bisher über 200 Klagen gegen den Pflege-TÜV sehen die Kassen
gelassen. «Nur zwei Prozent der geprüften Einrichtungen wehren sich
gegen die Veröffentlichung ihrer Noten. 98 Prozent der über 10 000
geprüften Dienste sind mit den Ergebnissen einverstanden», betonte
Ballast.

Er ist zuversichtlich, dass Pflege-TÜV und Veröffentlichung der
Noten im Internet am Ende vor dem Bundessozialgericht bestehen. Die
Kassen können sich sogar eine Ausweitung des Systems vorstellen:
Schulnoten auch für Haus- und Fachärzte seien für mehr Transparenz
vernünftig. Die AOK bietet im Internet ihren Mitgliedern schon an,
den eigenen Arzt zu bewerten.


# dpa-Notizblock

## Internet
- [Pflegelotse](www.pflegelotse.de)



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