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Contergan-Geschädigte verklagen Bundesrepublik

30.08.2010 13:06

Ostfildern/Straßburg (dpa) - Contergan-Geschädigte haben vor dem
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage gegen die
Bundesrepublik Deutschland eingereicht, um höhere Rentenzahlungen
durchzusetzen. Man habe die letzten ausstehenden Papiere der 2000
Seiten umfassenden Klageschrift in Straßburg am Freitag abgegeben,
sagte der Sprecher des Contergannetzwerks, Christian Stürmer, am
Montag in Ostfildern (Kreis Esslingen). Die Klage werde nun auf
Zulässigkeit geprüft. Wie lange das dauert, lasse sich nicht
abschätzen. Das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe hatte eine
Beschwerde des Netzwerks nicht angenommen, unter anderem weil sie
nicht begründet worden sei.

Die Contergan-Geschädigten werfen der Bundesrepublik Verstoß gegen
die Europäische Menschenrechtskonvention vor: sie komme ihrer Pflicht
zur Versorgung der Opfer nur unzureichend nach. Der deutsche Staat
habe mit der Errichtung einer Stiftung sämtliche Ansprüche
schwerstgeschädigter Kinder gegen den Herstellerkonzern Grünenthal
(Aachen) ausgeschlossen. Die Opfer seien stattdessen an Sozialämter
verwiesen worden, was dazu führe, dass in Deutschland die niedrigsten
Renten von allen Ländern weltweit gezahlt würden. Sie lebten
«großteils in bitterster Armut», sagte Stürmer.

Das Netzwerk vertritt rund 350 Geschädigte. In Deutschland gibt es
heute noch rund 2800 Betroffene, die ohne Gliedmaßen zur Welt kamen,
nachdem ihre Mütter Ende der 50er Jahre das Schlafmittel Contergan
der Firma Grünenthal eingenommen hatten. Die Opfer beziehen Renten
von 242 bis 1090 Euro monatlich.

# dpa-Notizblock

## Internet
- [Netzwerk](www.contergannetzwerk.de)

## Orte
- [Netzwerk](Weiherhagstraße 6, 73760 Ostfildern)



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